"Aus Gründen der Lesbarkeit wird in vorliegender Arbeit auf geschlechtsspezifische Formulierungen (z. B. Wortendungen mit „Innen“) verzichtet. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sowohl weibliche als auch männliche Personen angesprochen werden"
heißt es in einer "Projektarbeit im Rahmen der hauptamtlichen Ausbildung für BibliothekarI[sic!]nnen" und es wird auch so praktiziert:
"... Wissensaustausch der Kinderbibliothekare ... an die Teilnehmer versandt und in einem, allen Bibliothekaren ..."
Was für die zwei bis drei männlichen unter den mehr als zwei Dutzend weiblichen Personen im bibliothekarischen Kindernetzwerk wohl beruhigend wirken sollte, sollte eher als Anlass zur Unruhe wahrgenommen werden.
Denn der vorgebliche Verzicht auf geschlechtsspezifische Formulierungen ist ja gar keiner: durch das Einbinden des Weibervolks in männliche Formen wie Kinderbibliothekare oder Teilnehmer wird das Maskulinum zum geschlechtsunspezifischen Gewurl.
Wenn diese einzigen Kindernetzwerks-Männer, deren Samenqualität rein statistisch gesehen auch immer schlechter wird, sich durch diese Gewurlform angesprochen fühlen müssen, dann haben sie ihre männliche Identität aus Gründen der Lesbarkeit bereits verloren.
Dass die Gründe der Lesbarkeit nur ein semantischer Deckmantel zum Verbergen der ideelen Männervernichtungsmaschinerie sind, läßt sich daran erkennen, dass im Verlauf der genannten Projektarbeit die Lesbarkeit plötzlich keine Rolle mehr spielt.
Denn wie sonst konnte TWiki als geeignetstes Instrument für das kinderbibliothekarische Wissens- und Informationsmanagement auserkoren werden, obwohl:
"im TWiki wird mit „WikiWords“ gearbeitet. Diese WikiWords werden – so wie das Wort selbst – in Form von aus zwei oder mehreren zusammengesetzten Wörtern ohne Spatium aber mit beginnenden Großbuchstaben geschrieben (...)
Die geforderte TWiki-Schreibweise zusammengesetzter Wörter ohne Spatium aber mit beginnenden Großbuchstaben ist gewöhnungsbedürftig, sowohl beimSchreiben als auch beim Lesen (...)
WikiWords werden auch als „CamelCase“ bezeichnet, da die Großbuchstaben im Wortinneren einem Kamelhöcker gleichen (...)"
Aber den Männern zufleiß auf das Innen verzichten!
Und was ist mit den Chicken Guns?
Manches Mal fühle ich mich wie ein altes Triebwerk, immer mal wieder dem Beschuss durch ideologische Chicken Guns ausgesetzt. Letztlich landet aber eh alles im Hudson River. Wenn die Space-Cowboys auf Zack sind, vielleicht sogar glimpflich. Inzwischen habe ich verstanden, warum die geschlagenen Bauern aus den Bauernkriegen von den Enkeln singen, welche die Sache besser ausfechten werden und beileibe nicht von der nächsten Generation.
Weibisch
dass die Annahme, im Maskulinen sei ein hoher Anteil Weiblichkeit enthalten, für das gemeine Mannsvolk traumatisierend sein muss.
Während es doch viel mehr den gesellschaftlichen Realitäten von der guten alten Zeit bis 21. Jahrhundert entspräche, aus Gründen der Lesbarkeit die weibliche Form zu wählen:
Da steckt der Mann nicht nur drin - schon gar nicht unsichtbar -, sondern paradiert an prominenter erster Stelle, in voller Pracht, als Bibliothekar zum Beispiel. Gefolgt vom Weibe, das ohne den Mann nichts ist, aber schon sowas von überhaupt nichts. Erst die Präsenz eines Mannes verleiht dem unscheinbaren In Identität, was sage ich, Existenzberechtigung: Ohne den Bibliothekar, den Bäcker, selbst ohne einen unglücklichen Bettler ist das gemeine In farb- und konturlos, verzichtbar. Aber auch bescheiden hinter der prächtigen Persölichkeit eines Mannes stehend ist das Weib nur als das wahrnehmbar, was seiner Rolle entspricht, als kleines unbedeutendes Anhängsel. Als BIBLIOTHEKARin, als BÄCKERin, selbst als BETTLERin kann das Weib vergessen, verstoßen oder an den heimischen Herd beordert werden, ohne dass irgendwer es vermissen würde. So muss es sein und so ist es ja auch im realen Leben, und die Sprache soll dieses doch widerspiegeln.
Das Anhängsel mag zwar klein und unbedeutend sein - aber ohne ist der Mann nichts.
Und mit, dann ist es traumatisierend.
Win-win-Situationen sehen anders aus :-)