Auseinander getanzt

Durch den Hinweis von Adresscomptoir auf die Tagung "Jazz hinter dem Eisernen Vorhang" und auf das Forschungsprojekt "Jazz im 'Ostblock' - Widerständigkeit durch Kulturtransfer" ist mir das Lied von Wolf Biermann eingefallen, der vom Schicksal eines Drainage-Legers aus Buckow berichtet, der gegen das Verbot, nach westlicher Manier zu tanzen, verstoßen hatte. Ist zwar nicht Jazz, sondern Rock 'n Roll, doch für die Machthaber wars eh alles eins. In gewisser Weise für die Machthaber beider Seiten, wie folgende Textstelle zeigt:

Beide Seiten wollten Familien mit fürsorglichen, asexuellen Hausfrauen und männlichen Beschützern. In diesem Zusammenhang sahen beide Seiten Rock-'n'-Roll-Fans durchaus als politische Bedrohung.
Die Repressionen waren jedoch in der DDR weitaus systematischer und stärker. In der DDR bemühten sich Parteiorganisationen und staatliche Stellen insbesondere, sogenanntes offenes Tanzen als imperialistischen Einfluß zu unterbinden. FDJ-Klubs engagierten zum Teil regelrechte Aufpasser. 1957 gab ein Mitarbeiter des Ministeriums für Kultur die Anweisung an die Konzert- und Gastspieldirektion, die Verbreitung des Rock-'n'-Roll in der DDR zu verhindern. ...
Die Ähnlichkeit von DDR- und BRD-Kulturvorstellungen rührte Mitte der 1950er Jahre zu einer merkwürdigen Konstellation. Westdeutsche Kirchenführer und konservative Politiker, unter anderem Innenminister Gerhard Schröder behaupteten mehrfach, daß Jugendliche in der DDR besser vor den Gefahren von Konsumkultur und amerikanischen Kultureinflüssen beschützt wurden.


Und hier das Lied - hab leider keine Aufnahme gefunden. Bin auch nicht sicher, obs je auf einer Platte erschienen ist, oder nur auf jenem legendären Tonband zu hören war, das Ende der 60er in Wien herumgereicht und kopiert wurde:

Die Ballade von dem Drainage-Leger Fredi Rohsmeisl aus Buckow
Wolf Biermann

Das ist die Ballade von Fredi Rohsmeisl
Drainage-Leger auf den Äckern um Buckow
Gummistiefel hoch bis zum Bauch
sein Häuschen links am Fischerkietz.
Bei Lene Kutschinsky war Tanz
er hat auseinander getanzt
mit seiner Verlobten – das war verboten
na schön...

Junge, ich hab Leute schon tanzen sehn
Junge, das war manchmal schon nicht mehr schön.
Aber schadet uns das?
Nein.

Und als er so wild auseinander tanzt
die Musik war heiß und das Bier war warm
da hatten ihn plötzlich zwei Kerle am Arm
und schmissen ihn auf die Taubengasse.
Und schmissen ihn über den Lattenzaun
und haben ihn in die Fresse gehaun
und er hatte noch nichts getan
und hatte den hellblauen Anzug an.

Junge, ich hab Leute schon schlagen sehn
Junge, das war manchmal schon nicht mehr schön.
Aber nützt uns das?
Nein.

Da hat Fredi Rohsmeisl beide verrammt
zwei links zwei rechts er traf genau
und waren zwei große Kerle die zwei
halb Buckow sah ihm zu dabei.
Das Überfallauto kam antelefoniert
hat Fredi halb tot gehaun
das haben die Buckower Männer gesehn
und auch die Buckower Fraun.

Junge, ich hab Leute schon zusehn sehn
Junge, das war manchmal schon nicht mehr schön.
Aber nützt uns das?
Nein.

Dann kriegte er einen Prozess an Hals
als Konterevolutionär
wo nahm der Staatsanwalt nur das Recht
für zwölf Wochen Knast her?!
Seitdem frisst ihn ein stiller Zorn
und nach dem zehnten Bier
erzählt er Dir seine große Geschichte
von hinten und auch von vorn.

Junge, ich hab Leute schon weinen sehn
Junge, das war manchmal schon nicht mehr schön.
Aber nützt uns das?
Nein.

Und er findet noch kein Ende
und er ist voll Bitterkeit
und er glaubt nicht einen Faden
mehr an Gerechtigkeit.
Er ist für den Sozialismus
und für den neuen Staat
aber den Staat in Buckow
den hat er gründlich satt.

Junge, ich hab Leute schon fluchen sehn
Junge, das war manchmal schon nicht mehr schön.
Aber nützt uns das?
Nein!

Da gingen einige Jahre ins Land
da gingen einige Reden ins Land
da änderte sich allerhand
dass mancher sich nicht wiederfand.
Und als der zehnte Sputnik flog
da wurde heiß auseinander getanzt
der Staatsanwalt war selber so frei.
Und Fredi sah ihm zu dabei.

Junge, ich hab Leute sich ändern sehn
Junge, das war manchmal schon einfach schön.
Aber nützt uns das? (Ja.)





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Der Bescheidenheitsexzess des Jahres
Auf die Frage im Falter 52/09, ob er noch die Grünen wähle, gab Johannes Voggenhuber zwar eine ausweichende Antwort, doch umso bestimmter wird der Ex-EU-Angeordnete der Grünen, wenn er ungefragt von sich berichtet: “Ich schreibe für die Österreichausgabe der Zeit. Ich arbeite an einem Buch. Ich erstelle Entwicklungskonzepte für die Salzburger Uni. Ich habe auch das EU-Bürgerforum mit Europapolitikern aus anderen Parteien gegründet” © haftgrund for haftgrund, 2009. | Permalink | No comment | Add to Der Bescheidenheitsexzess des Jahres">del.icio.us Post tags: Bescheidenheit, Voggenhuber Feed enhanced by Better Feed from Ozh


Der Bescheidenheitsexzess des Jahres
Auf die Frage im Falter 52/09, ob er noch die Grünen wähle, gab Johannes Voggenhuber zwar eine ausweichende Antwort, doch umso bestimmter wird der Ex-EU-Angeordnete der Grünen, wenn er ungefragt von sich berichtet: “Ich schreibe für die Österreichausgabe der Zeit. Ich arbeite an einem Buch. Ich erstelle Entwicklungskonzepte für die Salzburger Uni. Ich habe auch das EU-Bürgerforum mit Europapolitikern aus anderen Parteien gegründet” © haftgrund for haftgrund, 2009. | Permalink | No comment | Add to Der Bescheidenheitsexzess des Jahres">del.icio.us Post tags: Bescheidenheit, Voggenhuber Feed enhanced by Better Feed from Ozh


Einiger Sumpf
Peter Pilz hat es in wenigen Zeilen auf den Punkt gebracht: “Dörflerstrache. Das ist lustig, schön und passend, also: ein echtes Weihnachtsgeschenk! Das ist wie die Fusion von Hypo Alpe Adria und Meinl-Bank. Das ist gut, denn endlich kommt zusammen, was zusammengehört. Endlich kommt der Dreck zum Stroh und endlich mischt sich das braune Orange mit dem braunen Blau. Also: Endlich finden das Kärntner BZÖ und die FPÖ zueinander. Wie der gemeinsame Sumpf heißen wird, werden uns die Herren noch verraten. Strache und Scheuch - das ist ein Moment der Wahrheit. Milliardenverschleuderung und Minderheitenhetze, Wehrsport und Saufsport und dahinter die Sonne, die im Bodensatz versunken ist. Für beide Seiten ist die Vereinigung eine Offenbarung. Die FPÖ bekennt sich damit zur Korruption und das Kärntner BZÖ zum Rechtsextremismus. Beiden dürfte beides nicht sonderlich schwergefallen sein.” Interessant ist auch, was diese Partie in der kurzen Zeit seit ihrem Zusammengehen schon alles zusammengelogen hat (ZIBs, Runder Tisch). Und das alte Problem bleibt bestehen, dass die WählerInnen dieser Organisation entweder rechtsextrem oder Trotteln sind. Und es ist keinesfalls tröstlich...


Haare kürzen, Bildung bringen
“Eine Woche vor seinem 80. Geburtstag war es für den Xantener Kinderbuchautor Willi Fährmann eine Ehrensache, zur Eröffnung der Moerser Grundschule, die seinen Namen trägt, anzureisen und vorzulesen. Er las aus seinen Erinnerungen, wie er als Kind zum Lesen kam. Ein Arbeitsloser, der regelmäßig zu Hause in der Küche den Kindern die Haare schnitt, leitete ehrenamtlich die Bücherei in der Kirche und brachte immer neue Bücher mit, auch einige, die von den Nationalsozialisten verboten waren und im Kleiderschrank versteckt wurden.” Quelle: http://www.rp-online.de/ni ederrheinnord/moers/nachri chten/moers/Schwungvoller- Start_aid_794677.html © haftgrund for haftgrund, 2009. | Permalink | No comment | Add to Haare kürzen, Bildung bringen">del.icio.us Post tags: BibliothekarInnen, Büchereien, Nationalsozialismus Feed enhanced by Better Feed from Ozh


Spass mit der Bibliothek 2.0
Sehr gute Präsentation. Zum Thema siehe auch Blog des Autors:Bibliothek 2.0 und mehr. Innovative Ideen für Bibliotheken, Freie Inhalte und Interessantes aus dem Web Spass mit der Bibliothek 2.0 View more documents from Patrick Danowski. © haftgrund for haftgrund, 2009. | Permalink | No comment | Add to Spass mit der Bibliothek 2.0">del.icio.us Post tags: Bibliothek2.0, Bibliotheken Feed enhanced by Better Feed from Ozh


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“Mein Kurzzeitgedächtnis ist durch das Multitasking immer stark beansprucht, sodass ich oft andere Dinge kurzfristig vergesse.” Dem Zellbiologen Michael Kiebler sei gedankt für diese im Heureka 2009/03 getätigte Ausrede des Jahrhunderts :-) © haftgrund for haftgrund, 2009. | Permalink | No comment | Add to Tut mir leid Schatz, aber:">del.icio.us Post tags: Ausreden, Gedächtnis, Multitasking Feed enhanced by Better Feed from Ozh


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ZEITmagazin: Lesen Sie? Allen: Nicht viel. Wegen meiner Brille hält man mich für einen Intellektuellen, der darauf brennt, nach Feierabend Kierkegaard zu lesen oder Bleistiftnotizen in Aufsätze über Hegel zu schreiben. Das ist aber ein Irrtum. Mein erstes Buch las ich mit achtzehn. Und zwar nur, um die Mädchen zu beeindrucken. Sollte hier das Geheimnis der Berufswahl von Bibliothekaren zu finden sein? © haftgrund for haftgrund, 2009. | Permalink | No comment | Add to Grund zum Lesen">del.icio.us Post tags: Allen, BibliothekarInnen, Buch Feed enhanced by Better Feed from Ozh


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Charité-Bibliothek besetzt
aus dem Tagesspiegel (via Netbibeintrag “Bildung statt Fachidiotie” von Jürgen Plieninger): Etwa hundert Medizinstudierende haben am Mittwochabend nach eigenen Angaben die Bibliothek der Charité im Bettenhochhaus in Mitte besetzt. Sie wollten damit gegen eine bevorstehende Einschränkung der Öffnungszeiten protestieren, erklärte Sebastian Lange von der Fachschaftsinitiative der Charité. (zum Artikel) © haftgrund for haftgrund, 2009. | Permalink | No comment | Add to Charité-Bibliothek besetzt">del.icio.us Post tags: #unibrennt, Bibliotheken, Bildungsaufstand Feed enhanced by Better Feed from Ozh


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Der Schrecken der Schnecken
Aus gegebenem Anlass: Er war so schleimig, dass in seiner Spur die Schnecken ausglitten und manchen sogar ihr Häuschen zerbrach. © haftgrund for haftgrund, 2009. | Permalink | No comment | Add to Der Schrecken der Schnecken">del.icio.us Po st tags: Betriebskultur Feed enhanced by Better Feed from Ozh


Lasset uns brennen!
In die mit viertausend Pensionistinnen bevölkerte Sporthalle von Poreč ruft Charlie Blecha: “Das weiße Haar auf dem Kopf ist wie das Dach eines Hauses. Drin brennt ein loderndes Feuer.” Wer hier noch rätselt, wieso der Pensionistinnenchef die mehrheitlich SP-Seinen mit einem brennenden Dachstuhl, was in weiterer Folge wohl ein abgebranntes Haus ergibt, vergleicht, erfährt bald des Rätsels Lösung. Es ist schlicht der Aufruf zur Feuerbestattung. Denn seine Pensionistinnen “sind keine Gruftis, sie sind keine Kompostis. Da hab’ ich mit aller Schärfe entgegenzutreten” Die Schwarzen mögen also in Gruften verschwinden, die Grünen im Komposte, sozialdemokratische Pensionistinnenleiber dagegen lassen sich der Flamme zuführen.Da fährt die Feuerwehr drüber. © haftgrund for haftgrund, 2009. | Permalink | No comment | Add to Lasset uns brennen!">del.icio.us Pos t tags: Blecha, Pensionistinnen, SPÖ Feed enhanced by Better Feed from Ozh


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“Name für die Quote?” fragt das Bezirksjournal in der aktuellen Nummer und fügt dieser kryptischen Frage eine noch viel anspruchsvollere hinzu: Quotenwahn oder historischer Verdienst? Anlässlich der Nähe zum “Equal Pay Day” und etlicher pfiffiger Auslassungen darüber in der österreichischen Bloggerszene würde ich mir diese Frage so deuten, dass nunmehr für Frauen die Möglichkeit besteht, zwischen wahnhaften Quotenregelungen (wie es beispielsweise jetzt am Übermaß an weiblichen Rektorinnenernennungen zu beobachten ist) oder einem noch nie dagewesenen Einkommenssprung zu wählen. Doch es ist ganz anders. Franz Schodl, fleißiger Leserbriefschreiber in der Kronenzeitung, ehemaliger grüner Bezirksrat in Meidling, nunmehr für die Bürgerliste “Pro Hetzendorf - Bürger für Bürger“ ebenfalls als Bezirksrat aktiv, ist mit der Benennung eines Parks unzufrieden: Die Meidlinger SPÖ will die Parkanlage “Friederike Stoiber-Park” nennen. Stoiber war die erste Leiterin des Pensionistenwohnhauses Hetzendorf. Franz Schodl von der Bürgerliste “Pro Hetzendorf’ stößt dieser Name...