bi-ba-buechereien
Von Titeln und Tools
Man trägt ja doch immer die Büchereiarbeit mit sich. Bei der Hunderunde ist mir nicht und nicht die Autorin des Buches "Gesunder Schrecken. Partnerschaften aus dialektischer Sicht" eingefallen.
Der Klappentext, der sich an eine fiktive Hausfrau wendet, geht etwa so:"Uns allen ist das schon mal passiert, dass der Ehemann anruft oder mailt und mitteilt, dass er die nächste Woche Urlaub/Krankenstand etc. zu nehmen gedenkt. Und wenn frau sich dann in den Spiegel schaut, sieht sie den "O my god, it's a monster!"-Blick und alle ihre Träume von Homefunning und Relaxtraining sind wie weggeblasen angesichts der Aussicht, eine Woche lang den heiligenscheingesäumten Hinterkopf des Lebensabschnittspartners in Permanenz vor Augen zu haben.Ich glaube, es ist die selbe Autorin, die auch folgende Ratgeber mit tiefen Einsichten in die Geheimnisse des menschlichenen Durcheinanders geschrieben hat:
Und wenn er nicht vorm Monitor sitzt, dann benutzt er das Klo, wenn frau es am Dringendsten braucht.
Wenn die im Stakkato erfolgende Arbeit an der Antizipation des Grauens ihren Höhepunkt erreicht hat, wenn also von der Ferne schon migränischer Stechschritt ein leichtes Bodenbeben verursacht, also Katastrophe pur herrscht ... und dann ein weiterer Anruf/eine Mail mit der Mitteilung kommt, dass es sich leider nächste Woche mit dem Krankenstand/mit dem Urlaub nicht ausgehe - dann kann frau sicher sein: dieser Lebensabschnittspartner hat das Prinzip "Gesunder Schrecken" verstanden.
Alle Spannung löst sich in Liebe und neu erwachender Leidenschaft auf, es eröffnet sich eine Woche, in welcher das Glück Einzug halten wird - denn Homefunning verharrt auf den Schrecken hinauf im Standby-Modus, während das Relaxtraining in Form televisionär gestützten Konsums raffiniert verarbeiteter Theobromafrüchte ein durch und durch menschliches Antlitz erhält."Egal, irgendwann wirds mir wieder einfallen.
- "Migräne. Die Mundart des Weiblichen"
- "Lebensabschnittspartnerschaften zwischen One-Night-Stand und Patchwork"
Bis dahin erscheint die Beschäftigung mit dem an diversen Schnittstellen zwischen Hard- und Software angesiedelten First-Life-Editor "Dekonstrukt" überaus lohnend zu sein.
Dieses Tool wurde ja ursprünglich nur für die Organigrammisierung der metabiologischen FPS entwickelt.
Es kommt aber auch hervorragend mit TPS-Umgebungen zurecht, was bei konsequentem Einsatz rückwirkend einen willkommenen Renderingimpuls für den realbiologischen Bereich auslösen kann.
Inzwischen funktioniert auch der Transfer in hypertextuale Umgebungen immer besser, allzu ambitionierten Kaskadisierungen sind allerdings durch einige Vertreter der älteren Generation softwareseitiger Rezeption noch enge Grenzen gesetzt.
Dank der großen Community des First-Life-Editor-Projekts ist zu hoffen, dass sich auch hier bald Durchbrüche erzielen lassen in Richtung "Dekonstrukt 2.0".
Ein spannendes Programm jedenfalls und für alle, denen der protomodernistische Ansatz des Doskonała próżnia ein Anliegen ist, eigentlich unverzichtbar.
Es nimmt allerdings leider sehr viel Zeit und haptisches Engagement in Anspruch. Doch es lohnt sich.
Verbrannte Vögel schaffen Bibliotheksruhe
Airbus-Notwasserung: "Es roch nach verbrannten Vögeln" SPIEGEL ONLINE
Nach den Befragungen der Crew-Mitglieder waren kurz nach dem Start in etwa 900 Meter Flughöhe beide Motoren ausgefallen. Zwei Flugbegleiter berichteten laut Higgins, sie hätten noch während des Steigflugs einen lauten Schlag gehört, danach sei das Motorgeräusch völlig verstummt. "Sie haben es als absolute Ruhe beschrieben, wie in einer Bibliothek", sagte Higgins.
Zwischen CamelCase und Chicken Guns
"Aus Gründen der Lesbarkeit wird in vorliegender Arbeit auf geschlechtsspezifische Formulierungen (z. B. Wortendungen mit „Innen“) verzichtet. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sowohl weibliche als auch männliche Personen angesprochen werden"heißt es in einer "Projektarbeit im Rahmen der hauptamtlichen Ausbildung für BibliothekarI[sic!]nnen" und es wird auch so praktiziert:"... Wissensaustausch der Kinderbibliothekare ... an die Teilnehmer versandt und in einem, allen Bibliothekaren ..."Was für die zwei bis drei männlichen unter den mehr als zwei Dutzend weiblichen Personen im bibliothekarischen Kindernetzwerk wohl beruhigend wirken sollte, sollte eher als Anlass zur Unruhe wahrgenommen werden.
Denn der vorgebliche Verzicht auf geschlechtsspezifische Formulierungen ist ja gar keiner: durch das Einbinden des Weibervolks in männliche Formen wie Kinderbibliothekare oder Teilnehmer wird das Maskulinum zum geschlechtsunspezifischen Gewurl.
Wenn diese einzigen Kindernetzwerks-Männer, deren Samenqualität rein statistisch gesehen auch immer schlechter wird, sich durch diese Gewurlform angesprochen fühlen müssen, dann haben sie ihre männliche Identität aus Gründen der Lesbarkeit bereits verloren.
Dass die Gründe der Lesbarkeit nur ein semantischer Deckmantel zum Verbergen der ideelen Männervernichtungsmaschinerie sind, läßt sich daran erkennen, dass im Verlauf der genannten Projektarbeit die Lesbarkeit plötzlich keine Rolle mehr spielt.
Denn wie sonst konnte TWiki als geeignetstes Instrument für das kinderbibliothekarische Wissens- und Informationsmanagement auserkoren werden, obwohl:"im TWiki wird mit „WikiWords“ gearbeitet. Diese WikiWords werden – so wie das Wort selbst – in Form von aus zwei oder mehreren zusammengesetzten Wörtern ohne Spatium aber mit beginnenden Großbuchstaben geschrieben (...)Aber den Männern zufleiß auf das Innen verzichten!
Die geforderte TWiki-Schreibweise zusammengesetzter Wörter ohne Spatium aber mit beginnenden Großbuchstaben ist gewöhnungsbedürftig, sowohl beimSchreiben als auch beim Lesen (...)
WikiWords werden auch als „CamelCase“ bezeichnet, da die Großbuchstaben im Wortinneren einem Kamelhöcker gleichen (...)"
Und was ist mit den Chicken Guns?
Manches Mal fühle ich mich wie ein altes Triebwerk, immer mal wieder dem Beschuss durch ideologische Chicken Guns ausgesetzt. Letztlich landet aber eh alles im Hudson River. Wenn die Space-Cowboys auf Zack sind, vielleicht sogar glimpflich. Inzwischen habe ich verstanden, warum die geschlagenen Bauern aus den Bauernkriegen von den Enkeln singen, welche die Sache besser ausfechten werden und beileibe nicht von der nächsten Generation.
