ÖGB-Kongress - vom donnernden Leben

Redebeitrag beim ÖGB-Kongress zum Bericht 2003-2006.
Beim Lesen der Berichte ist mir ein Lied von Wolf Biermann eingefallen: „Vom donnernden Leben“. Nicht weil die Berichte so von Donner erfüllt waren, sondern wegen der Zeile:
„Das kann doch nicht alles gewesen sein!“

Und auch ich denke mir, das kann doch nicht alles gewesen sein, was in den Berichten steht, da war doch noch was.
So findet sich im Bericht „Organisation“ schön aufgelistet eine Unmenge von Aktivitäten, Kampagnen, was sicher alles wichtig und notwendig war, nur was fehlt, ist eine Analyse der Wirkungen, der Erfolge und der Misserfolge dieser Aktionen.
Da wird über eine Betriebsratskampagne berichtet, u.a. mit einer Betriebsratsversion des Spiels DKT, „Das kaufmännische Talent“, mit dem gehofft wird, dass in den nächsten Jahren tausende Menschen spielerisch auf das Thema Betriebsrat aufmerksam gemacht werden, aber von der konkreten Situation in den Betrieben, vor welchen Problemen die BetriebsrätInnen in den Betrieben stehen, welche Erfolge erzielt wurden, welche Niederlagen, wie die Interaktion zwischen Belegschaften und ihren Vertretungen funktioniert, wie der Transport der Forderungen der Basis und das Feedback nach dem Weg durch die Gremien und den Verhandlungen funktioniert, was ja oft im gegenseitigen Frust endet – von diesen Situationen, die wir ja alle kennen und erleben, davon ist nichts zu finden.
Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, da ja wir hier in diesem Saal wohl das umfassendste, genaueste Wissen über so ziemlich alle österreichischen Betriebsstätten und über die Situation der dort Arbeitenden haben, ein gemeinsames Wissen und Erfahrung – doch im Bericht spiegelt sich nichts davon.

Im Bericht „Grundsatz“ erinnert die Darstellung im Kapitel Volkswirtschaft mit der linearen Verknüpfung von Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung in seiner Eindimensionalität an die Konzeptionen der 50er und 60er – mit dem Unterschied, dass damals von den Gewerkschaften sehr vehement der Anteil der Arbeitenden an den Produktivitätssteigerungen eingefordert wurde, heute dagegen diese Produktivitätssteigerung als Ursache der steigenden Arbeitslosigkeit beklagt wird und als einzige konzeptionelle Aussage dazu das „Weißbuch des Instituts für Wirtschaftsforschung“ zitiert wird, welches die Möglichkeit einer Vollbeschäftigung wenigstens „andeutet“...
Da ist in den Berichten keine Spur von der steigenden Bedeutung immaterieller Produktion sowohl in neuen als auch in den klassischen Arbeitsfeldern, was mit einer immer totaleren Subsumtion des Menschen, des ganzen Menschen unter den Verwertungsprozess des Kapitals einhergeht. Und da ist nichts zu lesen davon, dass prekäre Arbeitssituationen und atypische Beschäftigungsweisen immer weniger sogenannte Randprobleme sind, sondern in rasender Geschwindigkeit zum wesentlichen Moment der sogenannten normalen Arbeit werden.

Als dritten Punkt ganz schnell, weil die Zeit schon abgelaufen ist, möchte ich zum Bericht der Zentralen Kontrollkommission Stellung nehmen, in dem die Vorsitzende schreibt, dass sie keine Möglichkeit hatte und gehabt hätte, Hinweise auf die bekannten Transaktionen in der Bawag-Affäre zu erkennen.
Da wäre es vielleicht doch hilfreich gewesen, wenn auch erwähnt worden wäre, dass diese selbe Vorsitzende der Kontrollkommission auch Aufsichtsratsvorsitzende der "Anteilsverwaltung Bawag" gewesen ist, jener Gesellschaft, über die diese Transaktionen, die dem ÖGB den finanziellen Ruin gebracht haben, gelaufen sind und vor wenigen Monaten noch gesagt hat: "Ein derart umfassender Kontrollanspruch, wie er gut gemeint in den Statuten steht, ist einfach nicht machbar.“
Jedenfalls wirft der Bericht der Zentralen Kontrollkommission mehr Fragen auf als er beantwortet. Hauptsache, es sind alleinige Schuldige gefunden – Weninger und Verzetnitsch.

Zu einem dieser Schuldigen möchte ich ganz zum Schluss noch sagen, das ist mir wichtig, und ich glaube, dass dies auch Rudi Hundstorfer bestätigen wird, dass Günter Weninger nicht nur von mir, der ich ihn als zentralen Referenten in der GdG kennen gelernt habe und später als Vorsitzenden, sondern von allen, die ihn kennen, als bescheidener, ruhiger, sachlicher und ehrlicher Mensch wahrgenommen wurde und niemandem es eingefallen wäre, ihm eine milliardenschwere Hintergehung jenes Vereins zuzutrauen, für den er ein ganzes Leben gearbeitet hat.
Wurde er plötzlich vom Bösen ergriffen oder hängt das vielleicht auch mit unserem Verein zusammen, mit der Struktur, mit der Kultur des ÖGB?
Könnte es sein, dass Positionen, die der ÖGB vergibt, zu Menschenfresserfunktionen werden, dass sie Menschen bis zur Unkenntlichkeit verändern?
Ich glaube, darüber sollten wir uns alle Gedanken machen

Im übrigen bin ich der Meinung, dass sowohl die FCG als auch die FSG der „Gewerkschaft Öffentlicher Dienst“ sich dazu bequemen sollten, endlich die Unabhängigen GewerkschafterInnen der GÖD als Fraktion anzuerkennen.

Kapuscinsky

Wieder einer von den Großen weg.
Ich habe diese wunderbaren Zeilen schon mal hier zitiert. Sie können gar nicht oft genug gelesen werden.

Im Augenblick der Nominierung sah unser Herr den gebeugten Kopf desjenigen vor sich, den er zu hohen Würden berief. Aber selbst der weitreichende Blick unseres Herrn konnte nicht erkennen, was dann mit diesem Kopf geschehen würde. Der Kopf, der sich im Audienzsaal locker auf dem Hals bewegt hatte, veränderte schon beim Passieren der Tür seine Haltung, er hielt sich hoch und steif und nahm eine kraftvolle und entschlossene Gestalt an. Ja, mein lieber Herr, die Macht der kaiserlichen Ernennung war schon erstaunlich! Denn ein ganz gewöhnlicher Kopf, der sich vorher natürlich und frei bewegt hatte, jederzeit bereit, sich zu drehen und zu wenden, zu nicken und zu neigen, unterlag jetzt, gesalbt mit der kaiserlichen Ernennung, einer verblüffenden Beschränkung: von nun an bewegte er sich nur mehr in zwei Richtungen — zum Boden hinunter, in Anwesenheit des ehrwürdigen Herrn, und nach oben, in Anwesenheit der übrigen Menschen. Einmal auf dieses vertikale Geleise gesetzt, war der Kopf nicht mehr beliebig beweglich, und wenn jemand von hinten herantreten und plötzlich rufen würde: »Hallo, mein Herr!« — könnte dieser sich nicht einfach nach dem Rufer umdrehen, sondern müßte die würdige Haltung bewahren und den Kopf mitsamt dem Körper in Richtung der Stimme wenden.
Bei meiner Arbeit als Beamter des Protokolls im Audienzsaal fiel mir überhaupt auf, daß die Ernennung eine grundlegende physische Veränderung in den Menschen hervorrief. Das faszinierte mich, und ich begann, diesen Vorgang genau zu studieren. Vor allem die Figur des Menschen verändert sich. Vorher schlank und biegsam, nehmen die Umrisse jetzt immer deutlicher eine quadratische Gestalt an. Ein massives, solides Quadrat —- Symbol der Würde und des Gewichtes der Macht. Schon die Silhouette läßt erkennen, daß wir nicht irgend jemanden vor uns haben, sondern einen Ausbund von Würde und Verantwortung. Dieser Veränderung der Figur entspricht eine allgemeine Verlangsamung der Bewegungen. Ein Mann, der von unserem ehrwürdigen Herrn ausgezeichnet wurde, wird nicht springen, laufen, hüpfen oder herumtollen. 0 nein, sein Schritt ist gemessen, er setzt den Fuß fest auf den Boden, eine leichte Neigung des Körpers nach vorn signalisiert Bereitschaft, eventuell auftauchenden Hindernissen die Stirn zu bieten. Die Bewegung der Hände ist bedächtig, frei von jeder unkontrollierten und nervösen Gestik. Auch die Gesichtszüge sind strenger und irgendwie gefroren, ernst und verschlossen, aber immer noch fähig, plötzlich Zustimmung und Optimismus anzuzeigen; aber insgesamt wird das Gesicht so, daß wir keinen psychologischen Kontakt mehr mit ihm herstellen können. Man kann sich in seiner Gegenwart nicht mehr entspannen oder aufatmen. Auch der Blick verändert sich. Länge und Auffall-winkel werden anders. Der Blick verlängert sich auf einen Punkt hin, der außerhalb unseres Gesichtsfeldes liegt. Wenn wir daher mit einem Ernannten sprechen, können wir von ihm auf Grund der allgemein bekannten Gesetze der Optik gar nicht gesehen werden, weil sich sein Blickpunkt weit hinter uns befindet. Er kann uns nicht sehen, weil der Einfallswinkel seines Blickes sehr stumpf ist — nach dem sonderbaren Gesetz des Periskops schaut selbst noch der kleinste Ernannte weit über unseren Kopf hinweg in eine unerreichbare Ferne oder auf einen bemerkenswerten Gedanken. Wir haben jedenfalls das Gefühl, daß seine Gedanken vielleicht nicht unbedingt profunder sind als unsere, aber jedenfalls wichtiger und verantwortungsvoller; es erscheint uns daher sinnlos und kleinlich, ihm unsere eigenen Gedanken mitteilen zu wollen, und wir versinken in Schweigen. Aber auch der Günstling des Kaisers verspürt keine Lust zu reden, denn mit der Ernennung verändert sich auch die Art zu sprechen. Volle und klare Sätze machen einem einsilbigen Brummen, Knurren, Räus-pern, bedeutungsvollen Pausen, verschwommenen Worten und überhaupt einem Gehabe Platz, das anzeigt, er habe das alles schon längst und viel besser gewußt. Wir fühlen uns daher überflüssig und gehen. Sein Kopf bewegt sich auf seinem vertikalen Geleis von oben nach unten in einer Geste des Abschieds.
Es kam aber vor, daß der gütige Herr nicht nur beförderte, sondern jemanden — wenn er illoyales Verhalten feststellte — leider auch degradierte oder ihn gar — mein Freund, verzeih mir den harten Ausdruck — mit Schwung auf die Straße warf. Dann konnte man ein Interessantes Phänomen beobachten: In dem Moment, da jemand die Straße berührte, verschwanden alle Anzeichen der Ernennung, die physischen Veränderungen wurden rückgängig gemacht, und der Gefeuerte war wieder wie früher. Er legte sogar eine nervöse und etwas übertrieben scheinende Neigung, sich zu verbrüdern, an den Tag, als wollte er die ganze Angelegenheit vergessen machen, sie mit einer Handbewegung vom Tisch wischen und sagen; »Ach, vergessen wir's«, als handelte es sich um eine Krankheit, die nicht der Rede wert ist.
Kapuscinsky, König der Könige. Eine Parabel der Macht. 1978

Was tun Jäger und wie werden sie geschützt?


Dankenswerterweise gibt folgende FAQ ausführlich Antwort, inklusive dem alten Märchen, dass Raben Kitzen die Augen aushacken.
(...) Jäger töten Tiere mit heißen und kalten Waffen, so, wie sie selbst getötet werden wollen.

Was sind heiße oder kalte Waffen?
Heiße Waffen sind Schußwaffen. Kalte Waffen sind Klingen, wie Hirschfänger, Nicker oder Spieße, wie Saufeder oder Ger.
Wer will selbst getötet werden?
Niemand will getötet werden. Wenn es denn sein muß, töte andere nur so, wie du selbst getötet werden möchtest, nämlich schnell und gründlich - ohne lang zu leiden.

Der Jäger schützt Wild und Forst vor Raubwild und Raubzeug, wie vor Wilderern und Holzdieben, notfalls mit der Waffe.

Der Jäger schützt sich selbst. Jäger sind für Verbrecher beliebte Beute geworden, denn ein Jäger hat das, was ein Verbrecher nötig braucht, nämlich immer Waffen meist Auto und vielleicht sogar ein bißchen Taschengeld. Jäger sind im Wald in der Regel allein, so daß Verbrecher keine Zeugen fürchten. Jäger tragen also zu deren eigenen Schutz Kurzwaffen , nämlich Pistole oder Revolver und immer Messer, um sich gegen einen verbrecherischen Angriff auf Leib oder Gut wehren zu können. Jäger sind leicht zu finden, da sie sich meist im Wald in der Nähe eines dort abgestellten (Gelände)wagens auf einer weithin sichtbaren Kanzel aufhalten.
Aber ich schlage dessen trotz vor "Schützt euch selbst. Laßt Eure Waffen zu Hause!"
Nein, denn ohne Waffen jagt es sich schlecht. Ohne Waffen schütze es sich schlecht.

Jäger achten Ihre Beute innerlich im Andenken. Äußerlich wird das Wild mit Bruch, letztem Bissen, Strecke zu legen, Stücke zu verblasen, gewürdigt.
(...) Der Jäger schießt als Jagdschutz Raubwild (Wolf, Bär, Luchs hier nicht), Fuchs, Marder und Raubzeug, wie wildernde Katzen (häufig außerhalb und weit von den Ortschaften), Waschbären, Enok (=Marderhund), Hunde (selten), die das Niederwild wie Reh, Hase, Fasan, Rebhuhn, Wachtel, Schnepfe usw. gefährden.
Ich nehme an, du meinst, Katzen töten die Jungtiere? Ich kann mir beim besten Willen keine Katze, die ein Kitz reißt, vorstellen. Nie!
Ich auch nicht. Füchse können das schon eher. Raben hacken den Kitzen erst die Augen aus, bevor sie sich von achtern an die ranmachen. Katzen mäuseln meist draußen. Im Frühjahr allerdings sind Katzen ganz wild auf Junghasen in der Sasse, sowie Fasanen-, Birk- und Haselwild-, Rebhuhn-, Wachtel-, Wiesenweihen-, Kiebitz- und aller Watvogelküken und so weiter. Deshalb werden als Niederwildschutz, des Niederwildes Feinde, wenn nötig eben auch Katzen, draußen im Felde geschossen!
Wer schützt eigentlich die Tiere (Würmer, Käfer), die von eurem Wild verzehrt werden?
Niemand.
Jäger tragen also zu ihrem eigenem Schutz Pistole, Revolver und immer Messer. Fühlt man sich als Jäger damit dann wirklich besser?
Ja.
(...)

Gewerkschaftlicher Gremienfrust


Aus einer Mail an die Vorsitzenden des Hauptausschusses der Hauptgruppe 1 (Hoheitsverwaltung) der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten Wien.
Liebe Hauptgruppen-1-Vorsitzende,
meint ihr das tatsächlich ernst, den Hauptausschuss erst knapp vor Frühlingsbeginn tagen zu lassen?
Immerhin sind mit erstem Jänner einige Probleme akut geworden.
So zum Beispiel die bedingte Zusage der Personalvertretung (von welchenm Gremium?) zur Einführung der Chipkarte zur Dienstzeitkontrolle. Im letzten Hauptausschuss ist von einer solchen Zustimmung nicht die Rede gewesen. Wer hat in welchem Namen nun anders entschieden? Gibt es eine schriftliche Vereinbarung zwischen Dienstgeber und Gewerkschaft? Wer hat eine solche, falls es sie gibt, in welcher Schublade verstaut?
Oder die MitarbeiterInnenbeurteilung Neu. Der Dienstgeber führt sie flächendeckend seit 1.1.07 ein. Die Personalvertretung stimmt nicht zu. Der Dienstgeber gibt Weisung. Der Hauptausschuss schweigt. Der Zentralausschuss schweigt. Die Dienststellenausschüsse und die einzelnen Bediensteten werden im Regen stehen gelassen.
Seid ihr wirklich der Meinung, das gehe den Hauptausschuss jetzt nichts an und irgendwann im März werde schon darüber berichtet werden, wenn alles vorbei ist. Gab es da nicht irgend sowas wie das Versprechen, einen ÖGB neu mit mehr Transparenz und mehr Demokratie zu ermöglichen?
Oder ist euch das sowas von egal, weil die GdG ohnehin die beste aller Gewerkschaften sei, an der sich die anderen ein Vorbild zu nehmen hätten, um Kollegen Zangl zu zitieren?

Es hagelt Interne Kommunikation

Nach einer Studie der ikp - Kommunikationsplanung und Öffentlichkeitsarbeit GmbH hat wurde die Interne Kommunikationen in den Betrieben im Vergleich zur letzten Erhebung
  • finanziell besser ausgestattet
  • hat mehr materielle Ressourcen bekommen (Intranet...)
  • für 80% der Führungskräfte hat der Stellenwert der Internen Kommunikation zugenommen
  • Mehr als drei Viertel der Befragten geben an, dass die Interne Kommunikation in ihrem Unternehmen „eher gut bzw. sehr gut, offen und ohne Hierarchien“ funktioniert aber:
  • In mehr als drei Viertel der Unternehmen funktioniert die "Interne Kommunikation" nur von oben nach unten.
Zu vermuten ist, dass sich die interne Kommunikation der Führungskräfte mit ihren Untergebenen entweder in Anweisungen erschöpft oder die Untergebenen verweigern zunehmend den Dialog. Oder beides.

Trifft sich mit meinen Beobachtungen an meiner Arbeitsstelle: Leitung monologisiert mit der Geste des Dialogs vor sich hin und wehrt Einwände ab. Die Untergebenen sind es inzwischen müde geworden, gegen die fixen Ideen, die sich quartalsmäßig ändern, ihre guten Argumente zu verbrauchen und versehen zusehends Dienst nach Vorschrift oder Dienst neben den Vorschriften. In den Workshops wird geschwiegen. Gelegentlich gibt es Wutausbrüche und zornige Mails an alle. Das wars auch schon.

Sie leuchtet online

In einer Zeit, da Österreich noch vor der von radicaler Seite gewünschten Lösung an acuter Langeweile zugrunde zu gehen droht, in Tagen, die diesem Lande sociale und politische Wirrungen aller Art gebracht haben, einer Öffentlichkeit gegenüber, die zwischen Unentwegtheit und Apathie ihr phrasenreiches oder völlig gedankenloses Auskommen findet, unternimmt es der Herausgeber dieser Blätter, der glossierend bisher und an wenig sichtbarer Stelle abseits gestanden, einen Kampfruf auszustoßen. Der ihn wagt, ist zur Abwechslung einmal kein parteimäßig Verschnittener, vielmehr ein Publicist, der auch in Fragen der Politik die "Wilden" für die besseren Menschen hält und von seinem Beobachterposten sich durch keine der im Reichsrath vertretenen Meinungen locken ließ. Freudig trägt er das Odium der politischen "Gesinnungslosigkeit" auf der Stirne, die er, "unentwegt" wie nur irgendeiner von den ihren, den Clubfanaticern und Fractionsidealisten bietet.
Die Fackel ist online

Demokratie, Freie Software


In einem lesenswerten Artikel von F.Naetar "Wie hältst Du es mit der Demokratie?" aus den Grundrissen wird der Demokratiebegriff in seinem Fetischcharakter "wiederentdeckt" bzw. versucht, sich seinem zwieschlächtigen Charakter zu nähern. Folgender Abschnitt behandelt Entscheidungsprozesse in free-software-Projekten.
Das grundlegende Prinzip einer Demokratie – in einer Entscheidungsabstimmung zählt jeder gleich – ist in keiner der „free software“-Initiativen realisiert. Im bekanntesten und größten Beispiel Linux gibt es einen definierten Prozess, wer an solchen Entscheidungen welches Gewicht hat. Im Prinzip handelt es sich um eine Zählung nach Verdienst. Wer mehr für das Projekt geleistet hat, (in Form von akzeptierten Beiträgen) hat mehr Entscheidungsrechte. Generell werden die vorgeschlagenen und diskutierten Beiträge von einem harten Kern von Hauptentwicklern beurteilt – nach einer offenen und freien Debatte unter allen Interessenten. Die letzte Entscheidung im Fall der Uneinigkeit hat in diesen Projekt der Gründer Linus Torvald, der deshalb auch als der „benevolent dictator“ – wohlwollender Diktator – bezeichnet wird.

Natürlich gibt es theoretisch immer die Möglichkeit, wenn man mit den Entscheidungen absolut nicht einverstanden ist, sich abzuspalten und ein eigenes Projekt zu begründen. Das ist auch schon einige wenige Male passiert und bei einem größeren Fork kam es sogar nach einiger Zeit zu einer Wiedervereinigung mit dem Hauptprojekt, aber wenn ein Projekt wie z. B. Linux eine derart große Menge an Entwicklern in Bewegung setzt, ist ein Austritt aus der Gemeinschaft nur dann erfolgreich, wenn gegen wichtige und gut begründete Vorschläge entschieden wurde und die Entwickler hinter den Vorschlägen entsprechendes Gewicht haben.[19] Es gibt zwar in anderen „free software“-Projekten auch Formen der Abstimmung, bei der jeder gleich zählt, aber um in den Kreis der für eine Abstimmung berechtigten einzutreten, bedarf es entsprechender Beiträge – also wieder nach Verdienst. Nicht zufällig sind diese „demokratischen“ Formen eher dort anzutreffen, wo sich Firmen mit eigenen von ihnen angestellten Entwicklern an diesen offenen Projekten beteiligen. Hier gibt es ja nach Größe des Beitrags dann verschiedene Klassen von Mitarbeitern und in der obersten Klasse kann dann unter den „Gleichen“ entschieden werden. Meiner Meinung nach zeigen daher die tatsächlich existierenden Projekte, dass ein politischer Begriff wie Demokratie diese Formen von Selbstorganisation nicht adäquat beschreibt. Ich kann mir auch nicht wirklich in diesen Projekten einen Entscheidungsprozess bezüglich technischer Fragen vorstellen, der nach dem Prinzip funktioniert: Jeder entscheidet mit und hat das gleiche Stimmgewicht.
Es scheint mir, dass es hier offen gehandhabt wird, was in Gruppenprozessen ebenso aber verdeckt abläuft: Entscheidungen treffen im Grunde die in der Gruppe anerkannten Autoritäten mit Modifikationen durch Autoritäten der zweiten Garnitur. Wenn ich mich richtig erinnere, hat es die Beschreibung dieses Prozesses bereits bei Robert Michels, Soziologie des Parteiwesens gegeben. Allerdings ohne dies als quasi neudemokratischen Ansatz anzusehen, wie im vorliegenden Artikel. Was insofern ungerecht ist, als F.N. sich unmittelbar im Anschluss an obiges Zitat "Überlegungen von Alain Badiou ins Spiel" bringt. Jedenfalls eine spannende Sache.

Tauziehen

um Saddams Hinrichtung

titelte der Standard in seiner Printausgabe vom 30./31. 12., als dieses Tauziehen bereits entschieden war.
In der e-Ausgabe ist aus diesem beliebten Turnsaalwettkampf ein ordinärer "Streit um die Hinrichtung von Saddam" geworden.
Ist eigentlich irgendwie was anderes.

Der dritten Art

    Die Sonne schaut ganz anders aus als Licht im Morgengrauen. Der Zottel zieht mich schon recht energisch. Aus dem Nichts erscheint der Astralkörper der Hausmeisterin, wie Madame Mim hat sie plötzlich einen Besen in der Hand und beginnt in der Haltung des Glöckners von Notre Dame unter unseren über den Zaun hängenden Rosensträuchern, welche nicht nur einmal Gegenstand von ihr in Auftrag gegebener Beschwerden waren, das ebenfalls beschwerdeanhängige Laub aus unserem Garten zu kehren. "Swill goa nimma Winta werdn" herrscht sie mich freundlich an. Eine unserer Katzen kehrt ebenfalls, nämlich heim von ihrem nächtlichen Ausflug. Ein weiteres beliebtes Thema in den Genossenschaftsbriefen. Ich sage "jo" und Zottel zieht mich aus dieser Situation. Der Tag hat an Schärfe gewonnen. Die Sehnsucht nach einem Paralleluniversum bleibt.

Eine neue Welt schaffen.

Wie meint Lisa Marahiel, Sprecherin von Exozet interact so treffend:
    In Second Life gibt es noch viel unverbrannte Erde, auch was das Marketing betrifft
aus dem Standard.


"Mörder im Werdegang"

    glaubt Laura Richards, deren Name aus einem Krimi von Patricia Cornwell entsprungen sein könnte, erkennen zu können. Sie ist Kriminalpsychologin und Chefin der seit 2 Jahren bestehenden Metropolitan Police's Homicide Prevention Unit, der "Mordverhinderungsabteilung" von Scotland Yard.
    Das Ziel dieser rührigen Truppe ist nicht mehr und weniger als die 100 gefährlichsten Menschen Londons aufgrund des bestehenden Strafdatenmaterials auszumachen: "Es ist ein neuer, mutige Weg, der hart erarbeitet wird, aber er ist wichtig", so Richards zu ihrer Methode des Präventionsprofilings: "Menschen machen böse Dinge und man kann sie nicht alle stoppen. Womit ich allerdings ein Problem habe, ist, wenn Experten daneben sitzen und nichts weiter als zusehen können. Hier ist Handlungsbedarf gegeben". Also wird fleißig an "Listen der Bösen" gearbeitet und zu überlegen begonnen, was man dann mit den in diesen Listen Erfassten macht. Gleich einsperren? Vielleicht gestaffelt nach Höhe des zu erwartenden Verbrechens? Oder in die Psychomaschinerie einweisen? Man könnte sagen, Guantanamo ist ein guter Anfang und Laura Richards ein gutes Model für mehr Sicherheit und Glück in unserer Gesellschaft. Und billiger soll es auch sein: "Ein durchschnittlicher Mord", so Andy Baker, Leiter der Mordkommission, "kostet den Staat Hunderttausende von Euro, bis es zur Verhandlung kommt, weswegen es eine gute Investition sei, Geld in die Prävention zu stecken, zumal damit auch Leben gerettet würden".
Times
ORF
Telepolis
Spiegel

Protestierende BibliothekarInnen

Resolution
    Die Bediensteten der Büchereien Wien protestieren gegen den von der Innenrevision erstellten Bericht vom Juni 2006, in dem durch fragwürdige Berechnungsmethoden und realitätsferne Interpretationen eine Personalverminderung um bis zu 31 Dienstposten empfohlen wird. Die Einbeziehung der KollegInnen mit Behinderung (PAST) in diese Personalabbau-Kalkulation wird als menschenverachtend und unsozial zurückgewiesen.
    Dass die MA 13 auf diesen Bericht mit einem Stopp von Nachbesetzungen von frei werdenden Posten reagierte, wird von den Bediensteten ebenso abgelehnt wie die Streichung von 4 Dienstposten anlässlich der Sperre zweier Büchereien.
    Diese Vorgangsweise der MA 13, die im Falle der Dienstpostenstreichung unter Umgehung der Personalvertretung und der Leitung der Büchereien Wien erfolgte, lässt den Schluss zu, dass die Abteilungsleitung nicht voll hinter der Dienststelle Büchereien steht, sondern sich als verlängerter Arm der auf Personalreduktionen orientierten Innenrevision versteht.
    Angesichts der Effizienzsteigerung der Zweigstellen von 48% seit 2002 verlangen die Bediensteten der Büchereien Wien, dass die derzeit laufende Personalbedarfserhebung durch die MA 13 dieser Intensivierung bibliothekarischer Arbeit in realistischer Weise Rechnung trägt.
    Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die Büchereien nur dann als integraler Bestandteil einer Bildungsoffensive wirken können, wenn sie mit den entsprechenden materiellen und personellen Ressourcen ausgestattet sind.
    Daher kann aus der Sicht der Bediensteten der Büchereien das Ergebnis der Personalbedarfserhebung nur eine Vermehrung und keine Verringerung der Dienstposten sein.
Einstimmig angenommen von der Teildienststellenversammlung vom 7. November 2006

Freundet

Spiegel: Viele der Helden waren befreundet, haben sich aber nach der Aktion überworfen. Wie kam es dazu?

Biermann: Naja, die waren vorher schon ziemlich zerfreundet.

Spiegel: Aber eben auch befreundet.

Biermann: Befreundet auch. Das kommt ja hinzu, wenn man lebendig verfreundet ist und in einer Gesellschaft lebt, wo so viel Druck auf einen ausgeübt wird, wo viele versuchen, kein Schwein zu werden, aber auch nicht den Heldentod zu sterben.
Der Spiegel 44/06