Menschliche Verbuchungsmaschinen und Streikautomaten

Rechtzeitig zum fünfjährigen Hauptbücherei-Wien-Jubiläum ein frei erfundenes "Mailolett" aus den Innereien eines Büchereiensystems:
Personal, aufschreiend:
  • Nach dem gestrigen Wahnsinn von 15 bis 16:45 Uhr mit 3 Schaltern, möchte ich schon gern mal mein Unwohlsein mit dem fast permanenten Ausnahmezustand an den Ausleih- und Rückgabeschaltern kundtun! Die Personalknappheit beschränkt sich seit Langem nicht mehr auf irgendwelche Extremsituationen.
    Es kann doch nicht sein, dass der "Normalbetrieb" nur durch Freiwillige, die auf die täglichen Hilferufe reagieren und einspringen, aufrecht erhalten werden kann!
    Deshalb verstehe ich es nur zu gut, dass uns gestern niemand unter die Arme gegriffen hat.
    Als kurzfristige Sofortmaßnahme könnte zumindest der Vorschlag der vor ca. 2 (?) jahren tagenden Thekenarbeitsgruppe umgesetzt werden, dass für den 4. Schalter eine Art Bereitschaftsdienst eingerichtet wird (ein/e KollegIn auf Abruf im Büro).
    Aber grundsätzlich bin ich der festen Überzeugung, dass wir mehr Personal brauchen!
    Wie wär es z.B. mit Personal statt den Kassenautomaten, die eh' nur streiken?
    Es spricht nicht für unser Service, wenn wir die LeserInnen solchen Situationen wie gestern aussetzen.
Leiter, beschwichtigend:
  • Wir werden in Hinkunft mit der Besetzung der Mischarbeitsplätze großzügiger umgehen im Nahfeld von Feiertagen bzw. Ferien.
    Dabei wird zu überlegen sein, inwieweit nicht statt der zweiten Einschreibung der Mischarbeitsplatz öfter fix besetzt werden soll.
    Ich denke, dass die Einschreibezahlen in den meisten Fällen so sind, dass das vertretbar ist.
    Es macht auch für die NutzerInnen keinen so tollen Eindruck, wenn, was manchmal vorkommt, sich zwei KollegInnen bei der Einschreibung fadisieren und vor 3 Buchungsschirmen die Schlangen stehen.
    Mit den Kassenautomaten bohren Sie natürlich in einer offenen Wunde von mir - da hoffe ich sehr, dass die neue Anbindung an die Telekom bald positiv zum Tragen kommt - einfach gesagt: dass die Dinger endlich funktionieren dürfen (es liegt ja nicht an den Automaten, sondern an der Datenleitung).

    Zur Personalfrage: ich glaube, wir werden mit dem vorhandenen Personal auskommen müssen , aber ich stimme Ihnen zu, dass es den Kundinnen nicht zumutbar ist, so lange Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen.
    In Zeiten mit erwarteteter großer Frequenz wird daher in Zukunft die Verbuchung jedenfalls noch mehr Vorrang haben vor der Back-Office-Tätigkeit.
Personal, resignierend:
  • Also gestern haben sich definitiv nicht 2 Leute bei der Einschreibung "fadisiert", im Gegenteil von 17- nach 18 h war dort eine Schlange, Ausserdem ist dann dort eh nur 1 Platz besetzt.
    Zu der Besetzung nach Einschreibezahlen möchte ich nur bemerken, dass sich die LeserInnen halt nicht an Statistiken halten und üblicherweise manchmal gar nicht, dann aber perfiderweise wieder gleichzeitig eingeschrieben werden wollen.
Allen, auch dem Leiter, ist klar: es ist zu wenig Personal da. Die Aufsplitterung der Schnittstellen zwischen Bücherei und BenutzerInnen durch Funktionsfiletierung an den Theken, der Einsatz von Verbuchungsmaschinerie sowie das Hinzuschaufeln von Hilfskräften mit prekären Arbeitsverhältnissen, brachte letztendlich keine Entlastung für die BibliothekarInnen.
Immer weniger Zeit bleibt für die bibliothekarische Basisarbeit "hinter den Kulissen".
Durch die vor einigen Jahren erfolgte Zerschlagung des Lektorats und die Übertragung von dessen Funktionen an die einzelnen Colleges sind von dieser Reduzierung auch die Zweigstellen betroffen, die schon lange den Eindruck haben, dass die Medienauswahl für sie bloß als Nebenprodukt des Eigenankaufs der Hauptbücherei fungiert. Bei den über die quantitative Zuteilung hinausgehenden unterschiedlichen qualitativen Bedürfnissen am Bestandsaufbau zwischen Hauptbücherei und Zweigstellen und zwischen Stützpunktbüchereien und Zweigstellen nimmt es nicht wunder, dass die Kritik an der Unzulänglichkeit der Auswahllisten für die Zweigstellen immer lauter wird.

Es ist ein Teufelskreis. Den politisch Verantwortlichen und dem Magistrat ist nichts zu teuer, um Personal einzusparen und den Schein eines funktionierenden Systems aufrechtzuerhalten.
Die politikkompatiblen Erfolgsmeldungen müssen immer lauter werden bei rahmenbedingt leise sinkender Qualität.
Und die Frustrationen der Belegschaft werden erfahrungsgemäß eines Tages in innere Kündigungen umschlagen.
Dann kann man ja immer noch den Betrieb aus dem Magistrat auslagern und ihn hauptsächlich über angelernte und "ehrenamtliche" Kräfte aufrecht erhalten ...

zu dem Satz
Wie wär es z.B. mit Personal statt den Kassenautomaten, die eh' nur streiken?
wäre vielleicht noch zu sagen, dass gerade das Streiken nicht den Maschinen überlassen werden sollte ...

watch the word - 2008.03.28, 09:14

:-)
netter schlusssatz

haftgrund - 2008.03.29, 01:37

weils doch wahr ist :-)

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