Manche Werbung ärgert einen mehr als eine andere. Manche Werbeeinschaltungen dagegen sind genial aber selten.
Schlimm jedenfalls ist dieser Mann, der dauernd dabei ist und und so dämlich lächelt. "A Watschngsicht" pflegte meine Mutter in einem solchen Fall zu sagen. Dank der Kunst eines Plakatierers wurde dieses Gesicht nun so dargestellt, wie es wirklich ist. Quasi der Ausdruck der merkantilen Seele.
Naja, nicht sonderlich witzig, aber man gönnt sich ja sonst nichts.
Wie in "Kondome der Ministerin" bereits berichtet, wurde bei den Büchereien Wien mit Anfang 2008 die Bestimmung eingeführt, dass die BüchereibenutzerInnen auf das Persönlichkeitsrecht am eigenen Bild verzichten müssen, wenn sie die Büchereien betreten. Dazu gibt es auch einen Mailwechsel zwischen einem in seiner Beharrlichkeit leicht lächerlich wirkenden Personalvertreter und den gewohnt souveränen magistratischen und politischen Instanzen:
Da die ab Jänner 2008 für die Büchereien gültigen Allgemeinen Geschäftsbedingungen meiner Meinung nach einige Mängel auch rechtlicher Art aufweisen, rege ich an, die AGB vorerst auszusetzen und zu überarbeiten. Siehe Beilage. (ergeht auch an alle Büchereibediensteten)
Stv. Leiter der Büchereien an die Büchereibediensteten
Die AGB´s sind eingehend juristisch abgeklärt; die übermittelten Unterlagen und Anweisungen haben selbstverständlich vollinhaltlich Gültigkeit. Der Aussendung des Personalvertreters, die er ohne vorherige Abklärung mit der Zentrale der Büchereien verfasst hat, ist demnach keine Beachtung zu schenken.
Personalvertreter an den stv. Leiter der Büchereien
mir ist nicht recht klar, welcher Abklärung mit der Zentrale es bedurft hätte, nachdem mir bedeutet wurde, dass meine mündlich vorgebrachten Bedenken hinsichtlich des obligatorischen Verzichts der Rechte am eigenen Bild für eben diese Zentrale irrelevant seien.
In die neuen "Allgemeinen Geschäftsbedingungen" der Büchereien Wien ist ein Passus aufgenommen worden, der mir sowohl in rechtlicher Hinsicht als auch in der Außenwirkung der Büchereien als bedenklich erscheint, da darin enthalten ist, dass Fotoaufnahmen von BüchereibenutzerInnen entschädigungslos ohne zeitliche oder räumliche Einschränkung mittels jedes derzeitigen oder zukünftigen technischen Verfahrens ausgewertet werden dürfen. Meiner Meinung nach ist es überaus problematisch, dass der Erwerb einer Büchereikarte mit einem Verzicht auf ein nicht unwesentliches Persönlichkeitsrecht verknüpft wird.
Stadtratbüro an Personalvertreter
Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen wurden von der Magistratsabteilung 13 erarbeitet. Das Ergebnis wurde von der zuständigen Abteilung der Magistratsdirektion einer rechtlichen Prüfung unterzogen und in weiterer Folge vom Gemeinderat im Dezember 2007 beschlossen. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind mit 1. Jänner 2008 in Kraft getreten und ab dem genannten Termin von allen Beteiligten anzuwenden.
Personalvertreter an Stadtratbüro
Ich danke Ihnen für Ihr Schreiben vom 21. Jänner 2008 und nehme zur Kenntnis, dass die Büchereien Wien nunmehr nur noch jenen Wienerinnen und Wienern offen stehen, die für sich und für ihre Kinder auf das Persönlichkeitsrecht am eigenen Bild zu verzichten bereit sind.
40 Jahre nach dem 1. Mai 1968 brach der alte Ministrant voll in ihm durch. Wie dem news.ORF.at zu entnehmen ist, freut sich der Sandkistenkanzler bei seiner Christi-Himmelfahrt-Rede sehr, endlich mal sein eigener Schulterschluss sein zu dürfen und allfälligen (wiehießensiedochgleich? ahja:) "Österreichvernaderern" seine breite Brust entgegen stemmen zu können:
"Aber wir werden nicht zulassen, dass irgendjemand glaubt, unserer Jugend eine neue Erbsünde andichten zu können. "
Ehe Beifall überschwappt wie die Urinprobe eines Biertrinkers, drängen sich erst mal einige Fragen auf:
Wie war das gleich mit der Erbsünde? Die ist doch ein Glaubensgrundsatz jener Religion, die für A.G. auch heute noch sozusagen ministrabel ist? Demnach wurde da nix angedichtet, sondern selbstverursacht von den ollen A & E. Hat er das vergessen oder ist er inzwischen abgefallen von seinen Glaubenswahrheiten?
Oder meint ers im übertragenen Sinn: "diese Medien da draußen"? Erinnert an den Zungenschlag der Koalition der Rechten und der Rechtsextremen zur Zeit der europäischen Reaktion auf diese Koalition. Womit wir wieder beim Schulterschluss wären.
Und welche alte Erbsünde ist unserer Jugend wann angedichtet worden? Wieso kommen da Assoziationen auf an die vorauseilend exkulpierende Verwendung des Begriffs "Kollektivschuld", ehe der noch von "irgendwelchen" als Vorwurf gebraucht worden wäre?
Könnte es sein, dass der wüste Sand aus der Kindheitskiste wieder mal einiges durcheinandergewirbelt hat und die fragile Düne Politisches Bewusstsein schon durch ein leichtes Lüfterl in sich zusammengesunken ist?
Für diese Annahme spricht auch der nächste Satz, dessen Tiefendimension Berufenere erst auszuloten haben werden:
"Denn wir sind nicht für jeden einzelnen Kriminellen verantwortlich, ganz im Gegenteil."
Und abschließend der voll und ganz kronenzeitungskompatible Satz, der eigentlich immer angewendet werden kann, egal worum es sich handelt:
"... lassen wir uns von niemandem, egal wo auf der Welt, miesmachen"
Gelegentlich versteht man sehr gut, dass Christus an einem Tag wie diesen abgefahren ist von dieser unserer Welt.
Die konservative Revolution vom Mohler kugelt noch immer herum, die sollte doch schon längst zurück gegeben sein, auch die Operation Epsilon habe ich schon lange dem S. versprochen, den Arbeiter und den Eumeswil erspar ich mir vorerst, fürs erste habe ich genug vom Käferkönig. Auch seine totale Mobilmachung nicht weiter gelesen, da ich nur die von ihm später gereinigte Fassung hatte. Die Horuckschriften aus der militaristischen Epoche machen nur Sinn in den Originalfassungen, in den Gesammelten Werken ist so viel wegredigiert, dass man fast den Eindruck kriegt, der gute Ernst war immer schon ein schöngeistiger Gutmensch. Da die Cioranschen Tagebücher in der deutschen Ausgabe ohne die markigen Sprüche aus der Zeit in der Eisernen Garde auskommen, ist auch hier mein Interesse gesunken, weil nicht unwesentlicher Teil seins Denkens damit ausgeklammert wird. Macht, Geist, Wahn, Hitlers Volksstaat, Volkes Stimme und Unser Kampf erledigt. Trotz unzweifelhafter Qualitäten und origineller Sichtweisen Götz Alys auf die Mentalitätsgeschichte der Nazizeit scheint es doch keinen so radikalen Bruch zum 68er-Bashingbuch zu geben wie vorerst von mir angenommen. Eine gewisse Vorliebe, den Blick auf das einmal Fokussierte festkleben zu lassen und den Archivfund vorwiegend als Beweismittel statt als Reflexionsanlass zu nehmen, läßt sich in allen genannten Publikationen vermuten. Die unheimlichen Publizisten sind eher zufällig in meine Hände geraten, da die Katzen meinten, ich sei als Unterlage für ihren Nachmittagsschlummer bestens geeignet und somit angesichts des eingeschränkten Bewegungsspielraums mir nur eine geringe Buchauswahl zur Verfügung stand - und da sind es eben die Nazipublizisten im Regal neben dem Sofa gewesen. Sie konterkarieren sehr gut Alys These, dass die Aufarbeitung der Nazizeit in den 60ern ohnehin vom politischen Establishment geleistet wurde statt von den Achtundsechzigern. Fertig gelesen den Ochsen von Kulm aus der Hinterlassenschaft meiner Mutter bzw. war es ein Buch, das ich mit ca. 10 Jahren geschenkt bekommen habe. Interessant daran ist, dass es von der Fiktion lebt, dass die bayrischen Bauern eine Art nationalen Abwehrkampf gegen die amerikanischen Besatzer führten. Völlig ausgeblendet wird die Vorgeschichte - Nazideutschland - und dass antiamerikanische Ressentiments nicht nur aus dem Widerstand gegen Flugplatzbauten in diesem Gebiet und dem Drang nach einem friedlichen geeinten Deutschland stammen, sondern wesentlich aus der real existierenden Naziverseuchung. Wie da ein DDR-Autor für die DDR-Bewohner eine Welt der "echten Patrioten" gegen die fremden Besatzer entwirft, gehört wohl zu den skurrilsten Episoden des Kalten Krieges. Völlig ungeniert wird die nationale Karte ausgespielt. Dabei liest sich das Buch sehr flott und ist zum Teil auch sehr witzig und die Idee, dass ein Bauer, der wegen einer illegalen Schmieraktion ("Ami go home - wir wollen die deutsche Einheit") für 30 Tage ins Gefängnis soll, mit Hilfe eines geborgten Ochsen die bayrische Bürokratie durcheinanderwirbelt und schließlich als sein eigener Bewacher fungiert, erinnert ein bißchen an O.M. Graf. Ansonsten bin ich wieder beim Kantorowicz angelangt, zwischen dem Deutschen Tagebuch das Exil in Frankreich, dazu Feuchtwangers Teufel von Frankreich. Nossacks Tagebücher 43-77 und Mauriacs Düsteren Jahre liegen bereit, das Klingsor-Paradox als Nachwehen zum Heisenberg ist gerade fertig geworden; ambitioniert aber m.E. nicht wirklich gelungen. Mitten drinnen bin ich im Paxton, Anatomie des Faschismus, eine der großartigsten Analysen ever read. Der Lesefrühling läßt sich gut an.
Duftender Doppelpunkt präsentiert historische Maiabzeichen. Der taz-Korrespondent Wolfgang Koch erinnert im Titel seines Blogbeitrags an den 40. Jahrestag der Maikrawalle am Wiener Rathausplatz. Dies ist das einzige Bild, , das ich dazu auf die Schnelle finden konnte.
Abschließend einige Zeilen aus dem Wienblog, zur Einstimmung: "dieser Donnerstag erscheint Sozialdemokraten wie Ostern und Weihnachten in einem. 1. Mai: das ist in Wien die jährliche Wiederkehr eines politischen Rituals, d.h. einer scheinbar entscheidenden Handlung. Der Aufmarsch sozialdemokratischer Parteiorganisationen am Wiener Rathausplatz dient der Gruppenintegration. Alle entschlossenen SPÖler erheben sich zur Abwehr von etwas übermächtig ineinander Verschlungenen aus ihren Betten.
... worum es bei der Machtdemonstration der Bewegung diemal geht: um die Feier ihrer eigenen Musealität nämlich. Zweitens geht klar daraus hervor, dass der Rummel, wie jedes Jahr, mit einem kämpferischen Feuerfeuerwerk für die alkoholisierten Massen im Prater enden wird."