Matchkarte oder Ministerin bestimmen?

Beim heute vollzogenen Verkauf der SPÖ an die Kronenzeitung musste zwar Kronen-Kalina über die Klinge springen, doch mit Herrn F. als Vorsitzenden der Partei hat Dichand dafür ja das ganze Trumm SP auf einmal eingesackelt.
Der Abgang der bisherigen Frauenministerin wird für die Emanzipationsbewegung verkraftbar sein, und ob der Schleim des Kalina oder das Schrille der Bures bei den kommenden Interviews schlimmer ist, darüber werden sicher unsere Enkel nicht mehr streiten.
Angeblich hat man Gusenbauer auch noch vor die Wahl gestellt, entweder die Karte für das heutige Match gegen Deutschland zu behalten oder sich ganz allein die Buresnachfolgerin im Frauenministerium auszusuchen.
Selbstverständlich habe sich G. ohne zu zögern für die Matchkarte entschieden und die Besetzung des Ministerpostens der Partei überlassen wollen.
Da wäre aber Häupl dagegen gewesen, weil "wia des ausschaut!".
Also hat der nunmehrige Nur-Bundeskanzler knirschend auf die Karte verzichtet um dann der Presse zu berichten,
er habe das 100-prozentige Pouvoir des Präsidiums, die neue Frauenministerin auszuwählen. Nur so viel: Es werde kein Mann sein.
Unter der Hand ist aber ausgemacht worden, dass Faymann G. als Frau verkleidet ins Stadion schmuggelt.

Bibliothekare: "Eine Art Küster"

In Beamte. Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Aspekte des k.k. Beamtentums" von Karl Megner wird auch auf das Schicksal der Bibliothekare und auf ihr Ansehen im k.k.Beamtenstaat eingegangen.

Bibliothekare (und Archivare) wurden sozial und bürokratieintern als bessere Magazineure, „eine Art Küster“, als Verwahrer dessen, was nach dem Skartieren übrig blieb („alte Registratur“), als skurille, graue Mäuse angesehen, die das Tageslicht scheuen und in alten Scharteken bzw. Akten lesen (Spitzweg-Image). Bis zum heutigen Tage bemühen sich einige Angehörige der genannten Dienstzweige, diesem Image gerecht zu werden.
Im 19. Jahrhundert waren die Bibliotheken mit dem systemisierten Personal nur schwer in der Lage, der steigenden Informationsflut Herr zu werden. In der Bibliothek der Universität in Wien arbeiteten im Jahr 1832 ein Bibliothekar, zwei Custoden und zwei Scriptoren. Sechzig Jahre später waren zusätzlich fünf Praktikanten und 19 Volontäre zur Aufrechterhaltung des geordneten Bibliotheksbetriebes notwendig. 15 Volontäre erhielten jährlich je 300fl. „Remuneration“, weniger als die Hälfte des niedersten Beamtenbezuges! Bereits im Jahr 1873 wurden die Bibliothekare an staatlichen Bibliotheken durch Bestimmungen der ersten umfassenden Rang- und Gehaltsregelung für k. k. Beamte diskriminiert. Der Unterrichtsminister hatte im Parlament im Interesse der sozialen Distanzierung vor allem der Universitätsprofessoren den Einwand gebracht, wenn die Universitätsbeamten und Bibliothekare nach dem neuen Gesetz besoldet würden, könnten die Bibliothekare bis zu 3600fl. jährlich erhalten, während ein Professor der Wiener Universität maximal 3200 fl. Gehalt beziehe. Dieser Argumentation schloß sich die Majorität des Abgeordnetenhauses schließlich an. Der hierarchische Unterschied zwischen den Universitätsprofessoren und den Bibliothekaren blieb auch im finanziellen Bereich bestehen.
Im Jahr 1889 wurden die Bezüge der Bibliothekare an den Universitäts- und Studienbibliotheken und an den Bibliotheken der technischen Hochschulen erhöht. Der höchste erreichbare Bezug (Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Wien) betrug nun 2600 fl.; ein ranggleicher Beamter (VI. Rangklasse) eines anderen Verwaltungszweiges erhielt zwischen 2800 und 3600 fl. Bei den Custoden, Scriptoren und Amanuensen war die Benachteiligung in der Relation noch größer: Ein Amanuensis, der in der neunten Rangklasse war, erhielt um 500 fl. weniger als ein gleichfalls in der neunten Rangklasse stehender Gymnasialprofessor. „Das ist doch keine Lösung der Existenzfrage für Männer zwischen 30-40 Jahren“, schrieb die Beamtenzeitung und forderte, daß Anwärter für den Bibliotheksdienst ein mit Doktorgrad abgeschlossenes Studium nachweisen müßten; dann allerdings müßten die Gehälter entscheidend aufgestockt werden. Bloße Einreihung in höhere Rangklassen genüge nicht, denn:
„Geld ist in gewissem Sinn auch Ehre, jedenfalls ist es Mittel zur äußeren Ehre... Rangclasse und Gehalt gehören untrennbar zusammen und postuliren einander“.
Auch die Titel der Bibliothekare wurden als obsolet betrachtet. „Amanuensis und Scriptor... wird kaum jemand gebrauchen, der das Recht hat, mit einem academischen Titel angeredet zu werden.“
Erst im Jahr 1896 wurden die Bibliothekare der staatlichen Bibliotheken auch gehaltsmäßig dem allgemeinen Besoldungsschema eingegliedert.
Ganz läßt sich der Eindruck nicht abstreifen, dass sich die Position der BibliothekarInnen - sowohl wiss. als auch öff. - nicht wirklich gebessert zu haben scheint.
Weder was die Bezahlung betrifft, noch hinsichtlich der Anerkennung durch Dienstgeber und mediale Öffentlichkeit kann einem so richtig warm ums Herz werden.
Dass auch der Verfasser dieser Studie ein in dieser Allgemeinheit sicherlich unzutreffendes Vorurteil weiter pflegt, läßt sich aus dem von mir angefetteten Satz durchaus vermuten.
Vor die Wahl gestellt zwischen Geld oder Titel würden wir heutigen BibliothekarInnen sicher auch gerne zum schnöden Mammon greifen. Doch diese Wahl wurde uns auch durch die Gemeinde Wien nicht angeboten. Stattdessen eliminierte sie quasi ohne Lohnausgleich für die B-Bediensteten alle Titel unterm Amtsrat, was so schöne Anreden wie "Büchereiverwaltungsoberkommissär" heute nicht mehr zulässt.
Die C-Bediensteten dagegen dürfen den vergleichbaren Titel (ohne "verwaltungs") aber weiter führen, da diese Position für die B-Bediensteten ein Posten in der Regellaufbahn ist, für die C-Bediensteten dagegen ein Aufstiegsposten - der letzte :-)
Aber auch die C-Bediensteten, die, auch das sei hier erwähnt, in den Wiener Büchereien die selbe Arbeit wie die B-Bediensteten machen, wurden nicht gefragt, ob sie Titel gegen "Gerstl" tauschen wollten. Was wohl ihre Antwort gewesen wäre?

Damit Y-Chromosomen vor Freude springen

Welches Keyword mein ots-abo angesprungen hat, kann ich jetzt nicht eruieren. Jedenfalls hat es mich vom nationalen Hirnriss des "Heute müsst ihr siegen"-Tages abzulenken vermocht. Dafür eignet sich das Bekenntnis des einzigen Männerbeauftragten einer österreichischen Partei hervorragend:
"Meine Vorstellung von einem gelungenen Vatertag!"
Im Folgenden einige Sätze daraus in der Originalschreibweise, welche im Unterschied zum entsinnlicht-bürokratisierten Dudendeutsch dem inneren Gehalt der Botschaft viel adäquater ist:

Vatertag- eine gute Gelegenheit, sich von den Ehefrauen/Freundinnen einen Tag lang verwöhnen zu lassen!
  • Der Vatertag ist also ein Tag an dem frau, dem Mann/Partner ihre Anerkennung bzw. Liebe dadurch zeigt, in dem sie ihn einen Tag lang so richtig verwöhnt.
  • UND IHN einmal ohne das üblichen Genörgel, Kegeln gehen oder mit Freunden gemütlich alle wichtigen Männer-Themen besprechen zu läßt.
  • daß auch Männer hier und da ein einfallsreiches Verwöhnprogramm schätzen!
    Und zwar eines daß das Y-Chromosom vor Freude springen läßt.
  • Ja liebe Frau Bures auch diese von ihnen "verfolgte Spezies" verdient manchmal etwas besseres, als ihre zynischen Plakate.
  • Übrigens Seitensprünge sind auch keine reine Männersache, zum Fremdgehen gehören zwei.
Am Vatertag sollen Väter echte Männer sein dürfen.
  • Ein bißchen Flagge zeigen, muß doch auch im zähesten Gendermainstream erlaubt sein.
  • An 364 Tagen im Jahr werden wir Männer sowieso gemahnt und gegängelt.
    Wir sollen besser zuhören, im Sitzen die Blase zu leeren, im Haushalt helfen, sensibler sein und geduldige Liebhaber sein
    .
  • Als einziger männlicher Gleichbehandlungsbeauftragter wünsche ich mir, dass Herr Buchinger die Männerabteilung nicht noch mehr austrocknet
  • Außerdem wünsche ich mir, daß Väter eine zumindest ähnliche Wertschätzung und Aufmerksamkeit erhalten wie Homosexuelle,die in diesem Land fast schon fast Kultstatus haben.


Wer noch offene Fragen hat, wird sie im gesamten oben verlinkten Text des Abgeordneten Karlheinz "Tschenderwahnsinn" Klement sicherlich beantwortet finden.

Einige ergebnisorientierte Anregungen zu manchen oben angeführten Problemclustern könnte ich vielleicht aber beisteuern, damit künftig, wenn Väter ihre Tage haben, diese auch als gelungen angesehen werden können.
Beispielsweise ließe sich die Sache mit den genetisch unabdingbaren Seitensprüngen von echten Männern insofern entschärfen, als diese nur mit Personen gepflegt werden, die in unserem Land ausreichende Wertschätzung und Aufmeksamkeit erfahren. Optimal wäre noch, wenn sie auch Kultstatus hätten. Väter sollten daher ausschließlich mit anderen Vätern in die Seiten springen. Dann könnten sie nach vollbrachtem Verkehr auch über diesen und die dazu nötigen Fortbewegungsmittel, beispielsweise den neuen Ferrari, reden und nicht verzweifelt nach Themen suchen müssen, die Frauen auch verstehen. Statt die Blase im Sitzen zu leeren, kann dann auch das beliebte Kreuzpissen praktiziert werden und kein übliches Genörgle wird über die angepritschelten Deckeln zu hören sein.
Das heutige Austrocknen der von der Mutterkreuzpartei geschaffenen Männerabteilung ließe sich durch eigeninitiatives Kampftrinken hintanhalten. Hernach ist es für alle Abteilungsmänner sicherlich ein Leichtes, nicht nur ein bißchen Flagge zu zeigen.

Diese Reformschritte sollten uns aber nicht die wesentliche Forderung vergessen lassen:

"Schafft zwei, drei, viele Vatertage - bis die Victoria nimma sempert!"

Gelungene Veranstaltung in einer schönen Bücherei

Der Literaturblog "Duftender Doppelpunkt" berichtet über eine gelungene Abendveranstaltung in einer Bücherei zur Verleihung des Preises "Der Duft des Doppelpunkts" für literarische Texte aus der Arbeitswelt - veröffentlicht inzwischen im Buch "Rote Lilo trifft Wolfsmann", welches die Arbeiten der PreisträgerInnen versammelt .
Copyright Petra OllingerDie, wie auch aus den Fotos ersichtlich, durch und durch gelungene Veranstaltung fand in der Bücherei Sandleiten statt. Diese ist eine der ältesten Arbeiterbüchereien, welche vor einigen Jahren umsichtig und ideenreich erneuert wurde und zu den schönsten der kleinen Büchereien Wiens zählt.

Was bei den Büchereien wohl nie fehlen darf, ist ein Murks im Vorfeld. Der Anfrage von Duftender Doppelpunkt, ob die Veranstaltung im Veranstaltungssaal der Hauptbücherei stattfinden könne (was das Medieninteresse zweifellos erhöht hätte), wurde von seiten des Veranstaltungsreferat mit ziemlicher Arroganz abschlägig beantwortet, wie "Duftender Doppelpunkt" schreibt:
Denn trotz einiger “Unkenrufe” wie beispielsweise, dass das Thema Literatur der Arbeitswelt sowie unser Preis - sinngemäß - nicht zu aktuellen Neuerscheinungen, die von ALLGEMEINEM INTERESSE sind, passen - von einer veranstaltungsverantwortlichen Person einer öffentlichen “Buchleihinstitution” in Wien geunkt …
Es gab auch Institutions-”Stimmen”, die ihr Desinteresse damit begründeten, dass es sich bei diesen Texten ja nicht um Weltliteratur handelt …
Den Konter mit dem Begriff der "Buchleihinstitution" finde ich sehr gelungen, doch ein gewisser bitterer Nachgeschmack bleibt doch.

Copyright Petra OllingerAllerdings bot das "Ausweichlokal" vom Ambiente her einen viel angemesseneren Rahmen als es der doch recht sterile Veranstaltungssaal in der Hauptbücherei sein hätte können. Und ob eine derart gute Stimmung wie in der Sandleitenbücherei auch dort aufgekommen wäre, läßt sich bezweifeln.






Patriotismus am Ende der Fahnenstange - ein Kontra und ein Pro

Die in den letzten Tagen immer häufiger werdenden rot-weiß-roten Fähnchen an Kraftfahrzeugen sind nach der Straßenverkehrsordnung für private Zwecke verboten. Dank des Verkehrsministers mit der braunen Halskrause aus dem Hause Dichand wurde auf den ersten Pfiff der Krone hin die STVO für diesen Fall bis zum Ende der Fußball-Europameisterschaft ausgesetzt.
Manche Fähnchen haben schlicht nur die Landesfarben, andere haben noch den Bundesadler drauf, was an sich nicht ganz ungefährlich ist, wie ein Tiroler Journalist erfahren musste, der dem Adler einen Fußball implantiert hatte und dafür zu einer Strafe wegen Herabwürdigung eines staatlichen Symbols verdonnert wurde.
Das kann aber Kronenzeitungslesern wohl nicht passieren, da sie es ja umgekehrt machen, den Adler dem Fußball zu subsumieren.
Auch eine Patriotismusdiskussion ist angelaufen, zu der hier Argumente sowohl gegen einen Fahnenpatriotismus als auch für Patriotismus mit Augenmaß geliefert werden sollen.
KONTRA: Der Patridiotismus von der Medien Gnaden wird von viel zu Vielen, die wahrlich andere Sorgen haben, mitgetragen für die kurzzeitige Illusion der Geborgenheit in einer großen Gemeinschaft.
Ein Mittel dagegen könnte in Anlehnung an die Mercedesstern-Aktionen der 50er und 60er die konsequente Entfernung jeder Österreichfahne sein, deren man habhaft werden kann.
Eine sanftere Form wäre das Herausschneiden des weißen Teils, was dann 2 rote Fähnlein ergäbe. Oder der roten Teile, was schon vor dem ersten Fehlpass die Kapitulationswilligkeit unterstreichen würde.
Mit den konfiszierten Fähnchen ließe sich sicherlich mancher Ulk treiben, damit patridiotische Gefühle gar nicht erst aufkommen.

PRO: Für einen Fahnenpatriotismus mit Augenmaß spricht vieles. Doch Patriotismus soll im Herzen stattfinden - siehe die Handhaltung echter Österreicher beim Absingen der Hymne. Ein echter Patriotismus eignet sich nicht für das öffentliche Herumwacheln. Ein Patriot ist schließlich kein Unparteiischer.
Daher sollte jeder echte Patriot die Fähnchen von den Autos wieder einsammeln und sich sein Heim damit drapieren. Denn bekanntlich gilt: "Daham bin i im Kastl", was die Engländer ungenau übersetzen mit "My Homepage is my castel", was eigentlich wörtlich heißt: "Meine Hampotschn san unterm Kastl (=Fernseher, daher "Patschnkino")".
Genug dieser semantischen Abschweifung. Ob diese Fähnchen gerecht in der Wohnung verteilt werden oder ein eigenes Vaterlandswinkerl für sie mit Lebenslangkerze hergerichtet wird, soll jeder echte Patriot mit Herz entscheiden.
Gegen das Flattern der Österreichfahne im Verkehrsgewühl spricht auch die Schadstoffbelastung, welche unserer Fahne gewordener Patriotismus dadurch erleiden muss. Da geht es ihm und seiner Fahne in der Wohnung doch viel besser.

Patriot oder nicht Patriot. Ja oder nein. Mitesser oder Gegenesser. Das ist die nationale Frage der Stunde.

Scharnier der Macht

In der neuen Ausgabe 26 (derz. noch nicht online) der Grundrisse wird in einer Rezension von Engelbert Stockhammer auf das Buch Michael Willenbücher: Das Scharnier der Macht. Der Illegalisierte als homo sacer des Postfordismus aufmerksam gemacht. In dieser Studie zur Rolle illegalisierter MigrantInnen im postfordistischen Kapitalismus wird, wie aus dem Titel schon zu entnehmen ist, auf Agambens Konzept des homo sacer zurückgegriffen, welches "im Gegensatz zu Vertragstheorien der Staatlichkeit im Ausnahmezustand den ultimativen Ausdruck und die Fundierung der Staatsmacht sieht.
Hervorgehen wird in der Rezension die staatliche Produktion von Illegalität, wodurch auch eine Etablierung prekärer Arbeitsverhältnisse vorangetrieben wurde. Wobei der tatsächliche Effekt der verstärkten Grenzkontrollen und der restriktiven Immigrationspolitik aber nicht Abschottung, sondern Entrechtung sei. Oder um es mit den Worten des Autor zu sagen:
"Die Grenze atmet. Ihr Ziel ist nicht die Abschottung, sondern die Selektion und Filterung. Ihr Effekt ist die Produktion einer extrem flexibilisierten Arbeitskraft"
Dieser Ansatz könnte für die politische Argumentation, jenseits eines letztendlich abstrakt bleibenden Solidarisierungsanspruchs, anschaulicher zu vermitteln vermögen, dass der staatliche Terror gegen die MigrantInnen mittelbar auch dem "Staatsvolk" gilt, somit eine Solidarisierung auch ein Kampf gegen die eigene Entrechtung und Prekarisierung ist.
Es scheint - trotz einiger kritischer Anmerkungen des Rezensenten - ein wichtiges Buch zu sein.


Brennende Frage zur Jugend

Gelegentlich wird das Klo zum Brennpunkt gesellschaftspolitischer Fragen, wie ich unlängst - dem Wiener Bezirksblatt sei dank - erfahren durfte.
Auf der Titelseite schon lachte mich das Inferno an:



Mir mochte zwar scheinen, dass ein "Festival des Wienerischen" auch in Simmering womöglich anders aussieht, andererseits hat ein ganzer brennender Platz schon was!

Und dann wurde es aktualitätsbezogen tief sozialphilosophisch:



Mit heißem Atem las ich den flammenden Artikel, um meine brennende Neugier zu löschen:
  • Gerät nachts angezündet
  • Heranwachsende oft Feuer fangen
  • Spielgeräte in Flammen aufgehen
  • Mistkübel in Brand gesteckt
  • Mistkübel angezündet
  • zur Weißglut gebracht
  • Holzflugzeug abgefackelt
  • der Hut brennt
Tief beeindruckt entsann ich mich einer Zeile aus einem Lied, das ebenfalls trotz seines scheinbar leichten Tonfalls aus tiefer Sorge um den Sinn der Jugend erfüllt war:
"Leider gibt es immer wieder Viecher
die behandeln mich mit Spott und Hohn,
nennt mich einer „Halbstark“ oder „Pülcher“
kränkt er meine Generation!
Mein Vater sagt allweil: dem geht der Verstand ab,
ich hab für wahre Ideale kein´ Sinn
Na ist das nicht ein Ideal: der Marlon Brando mit seiner Maschin´?
Vermutlich gehört der hier angesprochene besorgte Vater, der um die Ideale seines Kindes bangt, der Altersgruppe der Großeltern der Artikelschreiberin oder des Artikelschreibers an. An ihren Eltern wird sie oder er erkannt haben, was es für Folgen hat, sich fragwürdigen "Idealen" einer Konsum- und Mediengesellschaft in die Arme zu werfen und nicht wie die Großelterngeneration ihre Pflicht getan zu haben.
Es tut gut, wenn diese Erfahrung hellsichtig macht für heutige gesellschaftliche Fehlentwicklungen, oder um es mit den Worten des Artikels zu sagen:
"... hört sich bei der Freizeitbeschäftigung mancher Simmeringer Kids der Spaß auf" !

Kidnapping von vorlauten Jungschnöseln - zum Hüftgelenkeputzen und Windelnwechseln

Dem Linksnetblogs habe ich den Hinweis auf einen Artikel im FREITAG zu verdanken, der einem Pensionsschock der heute politisch Aktiven mit wirksamkeitsorientierten beschäftigungstherapeutischen Maßnahmen gegenzusteuern versucht:
"Wir werden das machen, was wir in den Achtzigern eingeübt haben: Wir werden an den Börsen verspekulierte Häuser und Grundstücke besetzen, Volxküchen betreiben und Hungermärsche durch Institutionen antreten.
Die Aktionen werden vielfältig und phantasievoll sein, auch wenn zu befürchten ist, dass Plena unter Altersstarrsinnigen tagelang dauern werden. Aber wir haben ja Zeit.
Wir werden wie seit Jahrzehnten schon, flexibel sein und bei Räumung unsere Sofas und Rollstühle eben ins nächste Haus schieben oder ein paar Container mit Hilfe von Computerhacking aus China über Hamburg an unseren Standort umleiten, die darin befindlichen Waren tauschen oder verbrauchen und die Container zu einem Dorf aufstapeln, wahlweise mitten auf Kreuzungen oder auf Schulhöfen, wo wir in den Pausen Lesehilfen für leseschwache Schüler anbieten, denn was wir im Überfluss haben werden, das werden Bücher sein. Und die kann man notfalls im Kerzenschein lesen.
Mit den Energieressourcen wird es ja auch nicht mehr zum Besten stehen. Allerdings könnten wir uns fithalten, indem wir mit Hilfe von Hometrainern auf ökologisch sinnvolle Weise Strom erzeugen und damit unsere Laptops betreiben, mit denen wir mit Alten in der ganzen Welt kommunizieren und uns zu Widerstandsnetzwerken zusammenschließen. Ökologie hat uns ja schon seit unserer Jugend interessiert.
Da wir politisch interessiert sind, werden wir die Diskussionen um unsere Abschaffung verfolgen und ab und an einen der vorlauten Jungschnösel kidnappen und zum Hüftgelenkeputzen und Windelnwechseln einsetzen. Zur Not ließe er sich auch braten und essen. Lebenslanges Gefängnis kann uns dann nicht mehr schrecken.
Auch dort werden wir wahrscheinlich viele sein."
Dieser in vielfacher Hinsicht mehr als realistische Artikel hat eine durchaus positive Botschaft - fad wirds uns nicht werden in diesem Leben ohne Pensionsschock!

Atombusen und -bombenversuche

Kürzlich fiel das Wort "Atombusen". Dabei erwies sich, dass nur die an Jahren schon recht Reichen diesen Begriff, dessen hierzulande bekannteste Trägerin Jayne Mansfield war, kannten. Beim Googeln stellte sich dann heraus, dass der Atombusen tatsächlich zu den bedrohten Arten gehört. Dieser Ansicht dürfte auch Günter Jauch gewesen sein, der 2006 die ZuseherInnen aufforderte, während einer Werbepause nach diesem Wort zu googeln.
In den 50er und frühen 60er jedoch war der Atombusen so geläufig, dass sich auch ein damals noch nicht mal Pubertierender daran erinnern kann. Wobei die Verknüpfung des sogenannten sekundären Geschlechtsmerkmals mit der Unteilbarkeit semantisch unsinnig ist, aber gleichzeitig unmittelbar einsichtig, jedenfalls in der Nachkriegswelt, als ein Modeschöpfer seine für damalige Zeit gewagten Badeanzüge nach dem Ort der amerikanischen Kernwaffentests benannte.
Möglicherweise wäre hier die Schnittstelle zwischen Atom und Busen zu finden, als die Atomkraft in der Ideologieproduktion "als eine Art der explodierenden Weiblichkeit" transportiert wurde.
Als die Sowjetunion eine Serie von Atombombenversuchen in der Atmosphäre startete, geriet die Atomkraft zusehends ins Zwielicht, auch wenn anfangs noch zwischen guten und schlechten Kerntests unterschieden wurde:
Da zu diesem Zeitpunkt die USA fast nur noch unterirdische Versuche unternahmen, argumentierten die proamerikanischen Mitschüler einer Klasse jener Schule, die ein bekannter österreichischer Literat mal als Schule des gelebten Austrofaschismus bezeichnet hatte, dass diese Form der Tests ungefährlich sei, während die Tests hoch in der Luft für Wetterkapriolen, Ausschläge, Impotenz und Fehlgeburten verantwortlich wären. Die viel differenzierter argumentierende prosowjetische Gegenseite, also ich, wiesen auf die massive Gefährlichkeit gerade der unterirdischen Riesenexplosionen hin, weil die Gefahr nicht auszuschließen sei, dass der Planet dadurch Risse bekäme und eines Tages auseinanderbreche. Explosionen in der Höhe aber verpufften mehr oder weniger und die meiste Strahlung würde sich im unendlichen Weltraum verteilen.
Diese Diskussion blieb, wenn die geschönten Erinnerungen nicht täuschen, ebenso unentschieden wie die zwischen Urknall und Steady-State-Universum und wurde mit dem Durchsickern der Tatsache, dass auch die sogenannte friedliche Kernkraft nicht das Gelbe vom Ei ist, mehr und mehr obsolet. Daher dürfte auch der Atombusen seine beste Zeit für immer gehabt haben.

Revolution im Donaupark und Umgebung

Im Wienblog, in dem immer wieder sehr informative und erfreulich sarkastische Betrachtungen über Wien zu finden sind, macht sich der taz-Korrespondenten Wolfgang Koch mit einer gewissen Berechtigung lustig über die Sammelaktion der von ihm so genannten "linken Wiener Schickeria" [wobei mir schleierhaft ist, was an Exinnenminister Blecha links sein soll und was an Elfriede Jelinek "Schickeria"] im Verein mit der Österreichisch-Kubanischen-Gesellschaft: "41 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod im Hochland Boliviens soll eine realistische Bronzebüste des argentinische Rebellen Ernesto »Che« GUERVARA DE LA SERNA den Wiener Donaupark verschönern. Da das Werk der Bildhauerin Gerda FASSEL satte 28.000 Euro kostet, hat Jelinek mit dem SP-Pensionspolitiker Karl BLECHA, mit dem Literaturprofessor Wendelin SCHMIDT-DENGLER, u.a. ein Personenkomitee ins Leben gerufen, das die notwendige Summe bei einem Golfturnier unter dem augenzwinkernden Titel »Che-rity« hereinbringen will.
Golf? – Aber ja doch, denn ironisch gibt man sich in Österreichs am lieben. Ausserdem soll der Bilderbuchrevolutionär Che, dem sich im Kino demnächst ein viereinhalbstündiges Epos von Steven SONDERBERGH widmen wird, in Echt ein begeisterter Golfspieler gewesen sein."
Weiters schreibt er vom linken Kitsch, von der "verschwitzten Bubenfantasie", in diesem "kommunistische(n) Reserve-Christus" einen heroischen Kämpfer zu sehen, und davon, dass Guevara Massenerschießungen zu verantworten hatte.

  • Ich denke, die scharfe Kritik an Guevaras Leben und Wirken ist nicht unangemessen und die angeführten Beispiele, die dazu angetan sind, ihn als revolutionäres Vorbild zu disqualifizieren, inzwischen weitgehend belegt. Wesentlich wäre aber, welche Schlüsse aus dieser Differenz von Traum und Wirklichkeit zu ziehen sind (was von einem Blogbeitrag natürlich nicht zu fordern ist).
  • Das mit der "verschwitzten Bubenfantasie" sehe ich etwas anders. Ernst Bloch hat irgendwo die Karl-May-Lektüre als Hinausfantasie und damit Infragestellen des begrenzten realen Daseins verteidigt - er selber hat ja stets mit großem Vergnügen Trash aller Art gelesen -, ähnlich würde ich diese Fantasien, die sich einen imaginären Helden gegen das real existierende Böse zimmern, nicht so entschieden negativ beurteilen, sondern als eine Art Traum des richtigen Tuns im falschen Leben ansehen, mit im Einzelnen durchaus positiven Auswirkungen.
  • Entschieden zu widersprechen ist allerdings die Bezeichnung Salvador Allendes, der im nächsten Monat übrigens seinen Hunderter feiern würde und bereits im Donaupark als Büste aufgestellt ist, als Antisemiten. Da übernimmt der taz-Redakteur ungeprüft die längst widerlegten Verleumdungen von Victor Farias. Dabei hätte er nur im eigenen taz-Archiv nachschauen müssen, in dem - wie auch in der NZZ, im Freitag und in anderen Publikationen detailliert die Lügen von Farias enthüllt werden.
  • Zum "linken Kitsch": wahrlich, da hat er recht. Wobei es wert wäre, sich mal näher mit den radikalen Träumen der österreichischen Sozialdemokratie zu befassen, die umso radikaler werden, je weiter weg sie lokalisiert sind. Betrifft nicht nur die Unterstützung von Revolutionsbewegungen ohne nähere Hinterfragung, die unreflektierte Übernahme antiisraelischer Haltungen bis knapp hin zum Antisemitismus, sondern auch die flammenden und so was von konsequenzenlosen Anträge von sozialdemokratischen Jugendorganisationen in den diversen Konferenzen gegen Faschismus, Nationalsozialismus, Rassismus und für einen aufrechten Gang oder so. Einige Generationen von Junggewerkschaftern (ausschließlich männliche Form ist angebracht) aus der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten habe ich da schon erlebt, solche Anträge mit bebender Stimme in den Landeskonferenzen und Gewerkschaftstagen zu stellen, um jeden Halbsatz zu kämpfen - parallel dazu dienten sie sich brav in die Organisation hinauf und sind heute in höchsten Positionen genauso stur und dämlich - nur etwas zynischer noch - als jene, gegen die sie damals mit Dritte-Welt-Parolen angerannt sind.
    Auch die heimliche Liebe relativ ranghoher SPÖ-Politiker zum Anarchismus wäre des Verweilens wert :-)

Außerdem: Über die solch "realistischen Betonbüsten" zugrunde liegende Ästhetik ließe sich auch noch einiges diskutieren. Ein weiteres, meinem simplen ästhetischen und politischen Gefühl nach abschreckendes Beispiel ist gerade in Argentinien fertig geworden, wie ich dem Che-Blog entnehme:

"Ich möchte ein Denkmal für Che Guevara errichten. Ich bewundere seine Ethik und die Art Mensch, die er repräsentiert." Mit diesen Worten trat der argentinische Bildhauer Andrés Zerneri im Jahr 2005 an die Öffentlichkeit. Nun, kurz vor dem 80. Geburtstag Che Guevaras, ist es vollbracht, die Bronzestatue ist fertig. Für seine Fertigstellung bat der Künstler um Bronzespenden. Mehr als 15.000 Menschen folgten dem Aufruf und spendeten alte Schlüssel, Scharniere, Schüsseln, ...
Am 14. Juni 2008, zum 80. Geburtstag, soll die Statue in Guevaras Geburtsstadt Rosario eingeweiht werden. Es wird das erste Denkmal für den Revolutionär in Argentinien sein.
Zerneri zeigte sich über die rege Beteiligung der Bevölkerung äußerst zufrieden. Mehr als 3000 Kilogramm Bronze spendeten sie für das vier Meter hohe Monument."

Das Wiener Jugendamt geht auf die Straße

Die Bediensteten des Jugendamts meinen, dass die spektakulären und daher medial bekannt gemachten Fälle von Kindesmissbrauch nur die Spitze des Eisbergs der Notsituation von Österreichs Kindern darstellten. Statt den darauf folgenden reflexartigen Schuldzuweisungen an die Jugendwohlfahrt und den Rufen nach Ausbau von überwachungsstaatlichen Systemen und Anzeigenpflichten sollte endlich ein Ausbau der Hilfesysteme erfolgen!
Die Personalvertretung des Jugendamts fordert daher seit langem eine Personalanhebung im
Bereich der Sozialarbeit, der mobilen Arbeit mit Familien (MAF) und im Bereich der Rechtsvertretung (RV), sowie eine wissenschaftlich fundierte Pensumsfeststellung
(für die Personalplanung) in der Jugendwohlfahrt.
Aber auch die Ressourcen im Bereich der stationären Jugendwohlfahrt (Krisenzentren, Wohngemeinschaften) müssten so dimensioniert sein, dass die SozialarbeiterInnen mit in Not geratenen Kindern nicht „auf Herbergssuche“ gehen müssten.

Unter dem Motto
SOS Jugendwohlfahrt
findet daher eine
öffentliche Dienststellenversammlung
am 27. Mai 2008, ab 14 Uhr
beim Rathaus (Friedrich-Schmidt-Platz) statt:

Diese Aktion ist als Protest gegen die Personalpolitik im Jugendamt zu verstehen. Die SPÖ-Stadtregierung wird aufgefordert, endlich mehr Personal für die Wiener Jugendwohlfahrt zur Verfügung zu stellen: für die Soziale Arbeit, für die Mobile Arbeit mit Familien sowie für die Rechtsvertretung.
"Wir haben diese Dienststellenversammlung bewusst in die Öffentlichkeit verlegt. Wir stehen mit unserer Arbeit ja auch immer wieder in der Kritik der Öffentlichkeit. Wir wollen eine gute und sinnvolle Arbeit leisten mit erfüllbaren Pensa und dafür die dafür unbedingt nötigen (weiteren Dienstposten) Ressourcen bekommen. Wir wollen auch nicht die Überwachung oder Kontrolle sondern die Hilfen für Kinder und deren Familien ausgebaut wissen."
In ihrem Aufruf laden die Jugendamtsbediensteten alle ein, die sich solidarisieren wollen, zu dieser Dienststellenversammlung unter freiem Himmel zu kommen.
Links zum Thema: Solidaritätsmails an den Dienststellenausschuss:
Andreas Schadenauer und Georg Dimitz

Ein Mörder darf weder Kardinal noch Kommissar werden!

Sonntagsfrühstücksmäßig schaut gerade Horst Tappert als Kardinal an mir vorbei. Jäh schießt es mir durch den Kopf: darf der denn das, einen Kardinal spielen? Dieser blöde Gedanke kam mir irgendwie bekannt vor. Ahja, den hatte ich bereits mal, nachdem Tappert in einem Durbridgekrimi, im "Halstuch", der Mörder gewesen war und zuvor oder danach im "Gentleman bitten zur Kasse" einen der Posträuber gemimt hatte, fand ich es ungehörig, dass er einige Zeit danach einen Kriminalkommissar darstellen durfte. Aber damals war ich jung, aber heute? Und außerdem war unser Horst kein Mörder im "Halstuch", sondern ein Vikar, also auch nur pfäffisch unterwegs. Den echten Mörder hat damals übrigens der große Wolfgang Neuss in einer Zeitungsannonce verraten, damit mehr Leute in seinen Film "Genosse Münchhausen" gehen. Worauf er naturgemäß mit Morddrohungen bedacht wurde und die Bildzeitung ihn als "Vaterlandsverräter" bezeichnete. Auch beim Tim Frazer war Tappert kein Mörder gewesen. Aber ich kann mich doch erinnern, wie er in einer letzten Folge eine Pistole gezückt hatte! Und ich glaube immer noch, dass ihm damals Wilhelm Tell gegenüber gestanden war. Wilhelm Tell wurde nämlich von Tim Frazer gespielt, der kurze Zeit später im ausverkauften Wiener Burgtheater den Max Eckard darstellte. Ich vermute, das war meine erste Burgtheateraufführung, damit dürfte ich in dieser Vorstellung in massenhafter Gesellschaft gewesen sein. Aber wo Tappert der Mörder gewesen ist, weiß ich immer noch nicht. Ich tapper sozusagen weiter im Dunkeln.